Israel und Syrien Russland, neben Iran der wichtigste Verbündete Assads, hat die Angriffe bisher geduldet

Das israelische Militär ließ keine Zeit verstreichen, zumindest zu versuchen, das alte Kräfteverhältnis wiederherzustellen: Kampfjets attackierten zwölf Ziele in Syrien. Vier Angriffe galten der Armee zufolge iranischen Zielen außerhalb des T-4-Stützpunkts, wo neben russischen Soldaten auch Hisbollah-Kämpfer stationiert sein sollen. Acht Angriffe trafen syrische Luftabwehr-Batterien, die aus russischer Produktion stammen, und Ziele der vierten Panzerdivision bei Damaskus, einer Eliteeinheit der Armee, die von Maher al-Assad kommandiert wird, dem jüngeren Bruder von Präsident Baschar al-Assad.

Russland, neben Iran der wichtigste Verbündete Assads, hat die Angriffe bisher geduldet, mit seinen modernen S-400-Luftabwehrsystemen kontrolliert es de facto Syriens Luftraum. Nun verlangte Moskau "Zurückhaltung von beiden Seiten", es sei inakzeptabel, russische Soldaten zu gefährden. Eine hochrangige russische Delegation war vorvergangene Woche nach Israel gereist, um neue Luftschläge Israels abzuwenden, Premier Benjamin Netanjahu hatte unmittelbar zuvor den russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. Danach sagte Netanjahu: "Die Frage ist: Wird sich Iran in Syrien ausbreiten, oder wird dieser Prozess gestoppt? Wenn das nicht geschieht, dann werden wir das stoppen."

Netanjahu wird in Israel nun kritisiert: Er erwecke den Anschein bester Beziehungen zu Putin, der aber lasse Iran gewähren. In der Armee wird schon seit Wochen über die Option diskutiert, großflächig in Syrien anzugreifen und Einrichtungen zu zerstören, in denen Iran Waffen für die Hisbollah in Libanon herstellt. Israel hat bereits Anlagen angegriffen, in denen Syrien westlichen Geheimdiensten zufolge Chemiewaffen und Raketen produziert; auch in Bau befindliche iranische Stützpunkte wurden bombardiert.

Bisher schreckt Netanjahu vor einem großflächigen militärischen Eingreifen aber zurück; Israel habe kein Interesse an einer weiteren Eskalation, hieß es am Sonntag. Allerdings kann sich Netanjahus Haltung rasch ändern, zumal das Land sich auch von den USA in Syrien im Stich gelassen fühlt. Washington hatte mit Russland und Jordanien im Süden Syriens eine Deeskalationszone ausgehandelt - aber nicht die von Israel geforderte Pufferzone für iranische Einheiten.

Israel befürchtet eine Stärkung der Hisbollah

Israel befürchtet überdies, dass die Hisbollah nach Ende des Krieges in Syrien gestärkt in den Libanon zurückkehrt und von dort Israel angreifen könnte. Das wäre nach 1982 und 2006 der dritte solche Krieg. Es gibt deshalb auch Forderungen, dem mit einem Präventivschlag vorzubeugen. Allerdings wäre die Zahl der Opfer dem israelischen Militär zufolge womöglich hoch: Die Hisbollah verfügt demnach über bis zu 150 000 Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen und bis zu 50 000 Kämpfer.

Damit könnten 2000 Raketen pro Tag auf Israel niedergehen - 2006 waren es bis zu 180 pro Tag. Die Raketen sollen überdies bis zu 300 Kilometer weit reichen - bis Tel Aviv und Jerusalem. Befürchtet wird auch, dass sich Iran und Syrien an einem solchen Krieg beteiligen könnten.

Im September hielt Israels Armee ein Manöver ab, um sich auf einen Angriff aus Libanon vorzubereiten. Falls es dazu kommt, will sie möglichst viele Waffen der Hisbollah zerstören. Laut Verteidigungsminister Avigdor Lieberman muss Israel darauf vorbereitet sein, bis tief nach Libanon mit Bodentruppen vorzurücken und notfalls den Norden Israels zu evakuieren - das wären Hunderttausende Menschen.

Vergangene Woche hat Israel begonnen, an der Grenze zu Libanon eine elf Kilometer lange Mauer bei Rosh Hanikra zu bauen, eine weitere bei Metula soll folgen. Am Sonntag rüstete die Armee die Luftabwehr im Norden auf. Israel hat drei verschiedene Luftabwehrsysteme, um Raketen verschiedenen Typs abfangen zu können. Alle drei wurden am Sonntag in Alarmbereitschaft gesetzt. Lastwagen transportierten militärisches Gerät an strategische Punkte, auch entlang von Hauptverkehrsstraßen und entlang der Grenze zu Libanon.

Ob man sich auf einen Krieg vorbereite, wollte die israelische Armee nicht kommentieren. Zur jüngste Eskalation hieß es, diese sei "deutlich weniger als ein Krieg, aber mehr als eine Konfrontation".

Bürgerkrieg in Syrien Gefährliche Spannungen

Konflikt zwischen Israel und Syrien

Gefährliche Spannungen

Israel spricht von der "schwersten Verletzung" seiner Souveränität seit Jahren durch eine angeblich iranische Drohne - und greift ein Dutzend Ziele in Syrien an.   Von Alexandra Föderl-Schmid