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Israel:Neuer Pass und neues Leben

Früherer Spion Jonathan Pollard kommt nach Israel

Empfang in der Nacht: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (rechts) begrüßt den früheren Spion Jonathan Pollard und seine Frau Esther auf dem Ben-Gurion-Flughafen.

(Foto: GPO/dpa)

Ex-Spion Jonathan Pollard reist nach mehr als 30 Jahren in US-Haft nach Israel aus - und wird vom Premier abgeholt.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Im Dunkeln der Nacht ist er gelandet. Doch als Jonathan Pollard die Gangway hinunter schritt am Ben-Gurion-Flughafen, wurde er auf dem Rollfeld bereits erwartet: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat es sich nicht nehmen lassen, den Spion mit dem rauschenden Bart persönlich und mit einem neuen israelischen Pass in der Hand zu empfangen. "Es ist großartig, dass du endlich nach Hause gekommen bist", sprach der Regierungschef. "Nun kannst du ein neues Leben beginnen in Freiheit und Glück."

Mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens hat der 66-jährige Texaner Pollard in Unfreiheit verbracht, weil er in den USA für Israel spioniert hatte. Er war zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nachdem er Mitte der Achtzigerjahre als ziviler Angestellter beim Geheimdienst der US-Marine den Israelis in großen Mengen Satellitenaufnahmen und Dokumente über biologische, chemische und atomare Rüstungsanlagen in der arabischen Welt geliefert hat.

Pollard gilt als Held der israelischen Rechten

Jahrzehntelang hat der Fall dunkle Schatten auf das Verhältnis der beiden engen Verbündeten USA und Israel geworfen. 30 Jahre hat Pollard trotz zahlloser Begnadigungsanträge abgesessen, danach fünf Jahre unter strengen Bewährungsauflagen in New York ausgeharrt, bis er nun mit einem Privatflugzeug des US-Milliardärs und Netanjahu-Gönners Sheldon Adelson die Reise nach Jerusalem antreten durfte.

Dort besitzen er und seine Frau Esther schon längst eine Wohnung - und Pollard darf nun seinen Heldenstatus unter Israels Rechten genießen. Geheimdienstminister Eli Cohen hat angekündigt, dass er eine Pension vom Staat erhalten wird. Zugleich reißen sich Medienberichten zufolge gleich mehrere Parteien darum, Pollard auf ihre Wahlliste zu bekommen. Doch ein enger Vertrauter hat schon kategorisch abgewunken. Eine politische Karriere in Israel habe Pollard nicht im Sinn, sagte der Vertraute. "Er hat schon genug gelitten".

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