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Israel:Heimkehrer ins Gelobte Land

Israel lässt die letzten Juden aus Jemen ausfliegen. Damit geht eine jahrhundertealte jüdische Präsenz in dem Land zu Ende.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Erschöpft und erleichtert sind 17 Juden aus Jemen in der Nacht zum Montag auf dem Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafen gelandet. Es ist eine Rettungsaktion gewesen, bei der manches im Geheimen bleibt. Klar ist nur, dass die Männer, Frauen und Kinder einen verheerenden Krieg sowie Jahre der Bedrängnis hinter sich gelassen haben. In Israel werden sie als Heimkehrer ins Gelobte Land begrüßt, und zum Empfangskomitee gehörte auch reichlich Verwandtschaft.

Denn diese 17 sind wahrscheinlich die letzten ihrer Art - die Nachhut aus einer Gemeinschaft von mehr als 50 000 jemenitischen Juden, die seit der israelischen Staatsgründung 1948 unter oftmals abenteuerlichen Bedingungen ins Land ihrer Vorväter ausgeflogen wurden. "Dies ist das Ende einer historischen Mission", sagte Nathan Scharanski, Vorsitzender der für die Einwanderung zuständigen Jewish Agency. "Die einzigartige Geschichte des jemenitischen Judentums wird nun hier im Staat Israel fortgesetzt."

Die Juden in Jemen zählten zu den ältesten Gemeinden außerhalb Israels, ihre Geschichte wird bis zur Königin von Saba zurückgeführt. Die jahrhundertelange jüdische Präsenz in Jemen lag allerdings schon seit 1950 im Promillebereich: Unmittelbar nach der israelischen Staatsgründung wurden in der legendären "Operation Fliegender Teppich" die meisten Juden heimlich mithilfe amerikanischer und britischer Transportflugzeuge ausgeflogen. Der verbliebene Rest sah sich einem zunehmenden Druck durch radikale Muslime ausgesetzt: 2008 und 2012 kam es zu antisemitisch motivierten Mordfällen, vor einem Jahr machte der Fall einer jüdischen Frau Schlagzeilen, die entführt, zum Islam-Übertritt gezwungen und dann gegen ihren Willen verheiratet wurde. Mit dem Vordringen der schiitischen Huthi-Miliz in dem seit einem Jahr tobenden Krieg wurde die Lage unhaltbar, weshalb sich die Jewish Agency zur Rettungsaktion entschloss.

Im Geheimen war die jüngste Luftbrücke, wie nun im Nachhinein bekannt wurde, monatelang vorbereitet worden. Neben den israelischen Behörden soll auch das amerikanische Außenministerium beteiligt gewesen sein. Vor der nunmehr letzten Gruppe sind in den vergangenen Monaten mehrere Dutzend Jemeniten über ein ungenanntes Drittland nach Israel gebracht worden. In der Nacht zum Montag landeten zum Abschluss eine fünfköpfige Familie aus Sanaa sowie zwölf Menschen aus der Stadt Raida. Darunter war auch der örtliche Rabbiner, der fürs fachgerechte koschere Schlachten zuständig war. Im Gepäck soll er eine mehr als 500 Jahre alte Thora-Rolle gehabt haben. Das neue Leben der Jemeniten beginnt zunächst in einem Aufnahmelager in der Wüstenstadt Beerscheva. In ganz Jemen gibt es nach Angaben der Jewish Agency nun noch 40 bis 50 zumeist ältere Juden, die sich trotz der Bedrohungen gegen eine Ausreise entschieden haben.

© SZ vom 22.03.2016
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