Israel Bombe zerreißt Bus

Israelische Sicherheitskräfte untersuchen den ausgebrannten Bus. Die Polizei sprach von einer Attacke.

(Foto: Thomas Coex/AFP)

15 Menschen werden verletzt, die Angst vor einer neuen Intifada geht um.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Bei der Explosion eines Busses in Jerusalem sind mindestens 21 Menschen verletzt worden, zwei davon schwer. Noch vor Abschluss der polizeilichen Untersuchungen erklärte der Sprecher des Jerusalemer Bürgermeisters Nir Barkat, dass eine im Bus platzierte Bombe detoniert sei. "Sie war klein, aber es war definitiv eine Bombe", sagte er. In Israel weckt das die schlimmsten Erinnerungen an die zweite palästinensische Intifada der Jahre 2000 bis 2005, die von Selbstmordanschlägen auf Busse und Cafés geprägt war.

Später teilte ein Polizeisprecher mit, die Bombe sei im hinteren Teil des Wagens explodiert. Zunächst war auch geprüft worden, ob es sich um einen technischen Defekt gehandelt haben könnte. Nach Polizeiangaben saßen in dem Bus der Linie 12 zum Zeitpunkt der Explosion zwei Menschen. Sie wurden schwer verletzt. Die Flammen setzten sogleich einen zweiten Bus in Brand und verletzten dort ebenfalls Insassen und Umstehende.

Seit mehr als einem halben Jahr erlebt Israel eine neue Welle der Gewalt, die von vielen bereits als neue Intifada bezeichnet worden ist. Bislang allerdings waren die Anschläge, denen im Verlauf der letzten Monate 28 Israelis und vier Ausländer zum Opfer fielen, weitgehend von Einzeltätern verübt worden. Eine planende Hand dahinter war nicht entdeckt worden. Meist waren Messer die Tatwaffen, seltener auch Schusswaffen, in manchen Fällen lenkten die Attentäter auch ihr Auto in eine Menschenmenge. Dies hat genügt, um im Land ein Klima der Unsicherheit zu erzeugen. Mit einem Bombenanschlag auf den Bus jedoch muss sich Israel auf eine neue Bedrohungslage einstellen.

Dabei hatten in den vergangenen Tagen Sicherheitskräfte und Regierung Entwarnung gegeben, weil sich die Zahl der Anschläge in jüngster Zeit verringert hat. Premierminister Benjamin Netanjahu führte das auf die Verstärkung der Sicherheitskräfte sowie den Erfolg von Abschreckung zurück. Mehr als 200 Palästinenser sind seit Oktober getötet worden, die meisten davon waren Angreifer, die noch am Tatort erschossen wurden.

Als maßgeblich für eine Eindämmung der Gewalt gilt die Sicherheitskooperation mit den Palästinensern, die trotz des Stillstands im Friedensprozess in den vergangenen Monaten aufrechterhalten worden war. Die Sicherheitskräfte von Präsident Mahmud Abbas im Westjordanland hatten immer wieder gemeldet, sie hätten Anschläge gegen Israel im Frühstadium verhindert. Dafür war Abbas von der in Gaza herrschende Hamas attackiert worden. Die Bildung von Terrorzellen wird sich in dem unter den Palästinensern verbreiteten Klima von Frustration und Aggression gänzlich nie verhindern lassen. Entsprechende Warnungen vor einer neuen Eskalationsstufe waren auch in Israel bereits vor der Jerusalemer Explosion immer wieder geäußert worden.