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Islamisten auf dem Vormarsch:Franzosen sollen Mali verlassen

Bürgerkrieg in Mali

Mali: Ein Kämpfer der Islamisten, die bereits zwei Drittel des Landes kontrollieren.

(Foto: AFP)

Der Bürgerkrieg in Mali scheint eskaliert: Jetzt hat Frankreich seine Bürger aufgefordert, das Land zu verlassen. Doch Frankreich, ehemals Kolonialmacht in dem westafrikanischen Land, will nicht alleine militärisch eingreifen. Auch Deutschland schließt einen Bundeswehreinsatz aus.

Die Regierung in Frankreich hat französische Staatsbürger zum Verlassen des westafrikanischen Krisenstaates Mali aufgefordert. Alle Franzosen, deren Anwesenheit nicht unabdingbar sei, sollten abreisen, heißt es in einer Warnung des Außenministeriums. Begründet wurde dies mit der "drastischen Verschlechterung der Sicherheitslage in Mali".

Präsident François Hollande hat den Rebellen mit einer Intervention gedroht. "Frankreich wird bereit sein, die Offensive der Terroristen zu stoppen, falls sie weitergehen sollte", sagte der Präsident in Paris. Er schränkte allerdings ein, Frankreich würde nur nach einer internationalen Entscheidung eingreifen. Sein Land handele "streng im Rahmen der Vereinten Nationen". Hollande zeigte sich "sehr besorgt" und sprach nach den jüngsten Erfolgen der Rebellen von einem "Angriff auf die Existenz von Mali".

Der UN-Sicherheitsrat in New York hatte sich am Donnerstag für die schnelle Entsendung einer afrikanisch geführten Militärmission ausgesprochen. In einer Erklärung forderte das Gremium die UN-Mitgliedstaaten auf, "den malischen Sicherheitskräften zu helfen, die von den terroristischen Organisationen ausgehende Bedrohung zu reduzieren".

Zuvor hatte Mali in einem Brief Frankreich, das von 1893 bis 1960 Kolonialmacht war, und die UN um Hilfe gebeten. Befürchtet wird, dass sich das Land zu einer Hochburg des internationalen Terrorismus entwickeln könnte.

Ministerium dementiert Berichte über deutsche Soldaten in Mali

Deutschland schließt einen Bundeswehreinsatz im westafrikanischen Krisenstaat Mali derzeit aus. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verwies darauf, dass auch das Angebot zur militärischen Ausbildungshilfe an die strikte Bedingung geknüpft sei, dass es einen "tragfähigen Fahrplan für die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung" gebe. Das Verteidigungsministerium widersprach zudem einem Bericht der Zeitung Le Figaro, wonach sich bereits deutsche Soldaten in Mali aufhalten. Nach Angaben aus Regierungskreisen könnte es sich dabei allenfalls um Deutsch sprechende Angehörige der Fremdenlegion handeln.

Die Europäische Union will rascher als bisher geplant etwa 200 Militärausbilder nach Mali schicken. Die EU werde die Vorbereitungen für die Entsendung der Ausbilder "beschleunigen", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken.

Die EU werde auch "Maßnahmen ergreifen, um die rasche Entsendung einer internationalen Unterstützungsmission unter afrikanischer Führung zu unterstützen". Einzelheiten über diese Maßnahmen wurden nicht mitgeteilt. Die internationale Truppe soll vor allem aus etwa 3500 Soldaten der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas bestehen.

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