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Islamischer Staat:Mutmaßliche Terrorzelle ausgehoben

Haftprüfung beim Bundesgerichtshof

Ein Wagen der Polizei verlässt das Gelände des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Dorthin wurden die Terrorverdächtigen am Mittwoch gebracht.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Die Polizei nimmt in NRW fünf Tadschiken fest - sie sollen Anschläge in Deutschland geplant haben. Ihr Anführer sitzt seit mehr als einem Jahr in U-Haft.

Am frühen Mittwochmorgen rückte die Staatsmacht an. Im Kreis Heinsberg, in Nordrhein-Westfalen. Nicht wegen der Corona-Pandemie, die den Landkreis in den vergangenen Wochen bundesweit bekannt gemacht hat, sondern wegen eines Terrorverdächtigen. Der Mann, der von den Polizeibeamten festgenommen wurde, soll ein Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sein - und Anschläge in Deutschland geplant haben.

Insgesamt fünf Beschuldigte ließ der Generalbundesanwalt an unterschiedlichen Orten in Nordrhein-Westfalen festnehmen. Neben dem Kreis Heinsberg gab es auch Festnahmen und Durchsuchungen im sauerländischen Werdohl, in Essen, Siegen und Neuss. Sie richteten sich gegen Männer im Alter zwischen 24 und 32 Jahren, allesamt tadschikische Staatsangehörige. Sie wurden einem Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehle gegen die fünf Männer, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Abend mitteilte.

"Wir hatten die Beschuldigten lange im Blick", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) im Anschluss an die Festnahme. Der Fall habe "riesige Dimensionen". An der Überwachung der Tadschiken sei neben der Düsseldorfer Polizei auch der Verfassungsschutz beteiligt gewesen. Drei der Islamisten seien als sogenannte Gefährder eingestuft gewesen, denen man jederzeit schwere Straftaten zutraut, so Reul. Ein Anschlag habe jedoch nicht unmittelbar bevorgestanden.

Die IS-Anhänger sollen einen US-Luftwaffenstützpunkt in Deutschland ausgespäht haben

Als Kopf der mutmaßlichen Terrorzelle gilt der 30-jährige Ravsan B. Der Tadschike sitzt bereits seit März 2019 in der Justizvollzugsanstalt in Wuppertal in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte bei ihm eine scharfe Waffe gefunden. Nach Erkenntnissen der Düsseldorfer Polizei, die das Verfahren unter dem Namen "Takim" führte, soll sich die Gruppe um Ravsan B. im Januar 2019 dem IS angeschlossen und Terroranschläge auf US-Militäreinrichtungen in Deutschland geplant haben. So soll ein Luftwaffenstützpunkt bereits ausgekundschaftet worden sein.

Zudem soll die Zelle auch einen Mordanschlag auf eine Person geplant haben, die "sich aus Sicht der Beschuldigten islamkritisch in der Öffentlichkeit geäußert hatte", wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gehen die Ermittler davon aus, dass es sich dabei um einen "tadschikischen Dissidenten" handelt, der in Nordrhein-Westfalen lebt. Die Person soll in der Vergangenheit bereits konkret ausgekundschaftet worden sein.

Die Islamisten sollen, so die Bundesanwaltschaft, "mit zwei hochrangigen IS-Führungsmitgliedern in Syrien und Afghanistan" in Kontakt gestanden und von diesen Anweisungen erhalten haben. Zunächst hätten die Beschuldigten geplant, nach Tadschikistan auszureisen, um dort gegen die Regierung zu kämpfen. Dann aber hätten sie sich entschlossen, stattdessen Attentate in der Bundesrepublik zu verüben.

Zu diesem Zweck sollen sich die Männer bereits "scharfe Schusswaffen nebst Munition" beschafft haben. Ravsan B. soll zudem eine Bauanleitung für einen Sprengsatz besessen und sich im Internet dafür die "notwendigen Komponenten" bestellt haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Ravsan B. und die anderen Beschuldigten auch Gelder an die Terrormiliz IS transferiert haben, unter anderem über Finanzagenten in der Türkei. Außerdem soll Ravsan B. einen Mordauftrag in Albanien angenommen haben, für den er 40 000 US-Dollar erhalten sollte. Er reiste daraufhin mit einem der anderen Beschuldigten nach Albanien. Zu einem Attentat aber soll es nicht gekommen sein, woraufhin die beiden wieder nach Deutschland zurückkehrten.

In Sicherheitskreisen heißt es, die tadschikische Gruppe habe schon längere Zeit im Visier der Ermittler gestanden. Eine unmittelbare Gefahr soll von den Männern nicht ausgegangen sein, die Anschlagsplanungen hätten zudem schon einige Zeit zurückgelegen.

© SZ vom 16.04.2020

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