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Iran:Feuerball über Teheran

Demonstration der Stärke: Von Iran beeinflusste Hisbollah-Kämpfer bei einer Militärparade in Bagdad.

(Foto: Ahmad Al-Rubaye/AFP)

Auf einem Militärgelände kommt es zu einer Explosion. Offiziell ein Gasunfall - doch der Vorfall steht im Schatten regionaler Machtkämpfe.

Von Paul-Anton Krüger

Ein rot-oranger Feuerball ist in der Nacht zum Donnerstag in den schwarzen Nachthimmel über Teheran aufgestiegen. Eine schwere Explosion weckte viele Bewohner der iranischen Hauptstadt aus dem Schlaf. Andere, die auf den Dächern ihrer Häuser die kühle Nacht genossen, filmten das Geschehen mit ihren Handys und stellten die Aufnahmen ins Internet. Sofort kursierten Spekulationen, es habe einen Militärangriff gegeben oder zumindest eine Sabotageaktion oder eine Cyberattacke. Genährt wurden sie auch dadurch, dass sich die Explosion auf einem Militärgelände nahe Teheran ereignete.

Die offizielle Erklärung des Sprechers des Verteidigungsministeriums, Davoud Abdi, lautet am Tag danach, es sei "im öffentlich zugänglichen Teil" des Militärkomplexes Parchin zu einer Gasexplosion gekommen. Dabei sei niemand ums Leben gekommen oder verletzt worden, das Feuer sei schnell gelöscht worden. Das Staatsfernsehen verbreitet Bilder nicht nur von der Explosion in der Nacht, sondern zeigt auch verkohlte und bizarr verbogene Tanks, die an einem Hang auf dem weitläufigen Gelände explodiert sein sollen.

Parchin ist ein großer Komplex, der dem Militär und den Revolutionsgarden untersteht. Dort gibt es chemische Produktionsanlagen für Munition, Sprengstoffe und Raketentreibstoffe. Raketentriebwerke werden dort hergestellt und getestet. Auch hat Iran dort Versuche vorgenommen, die der Entwicklung von Atomwaffen gedient haben sollen. So vermutet die Internationale Atomenergiebehörde, dass Tests mit einer später entfernten Sprengkammer gemacht wurden, um ein Design für einen Sprengkopf zu testen.

Der Konflikt zwischen Iran und den USA, Israel und den Golfstaaten hat sich verschärft

Bereits im Jahr 2014 wurde das Gelände 30 Kilometer südwestlich von Teheran von schweren Explosionen erschüttert. Mehrere Gebäude wurden damals zerstört; die Ursache wurde nie unabhängig geklärt. 2011 wurden bei Explosionen auf einem Militärgelände bei Bidganeh 17 Revolutionsgardisten getötet, unter ihnen der Chef des Raketenprogramms der Revolutionsgarden, General Hassan Teherani Moghaddam. Damals hieß es, eine Rakete sei beim Zusammensetzen der verschiedenen Stufen detoniert. Allerdings waren auf Satellitenbildern Schäden zu erkennen, die auf einen Luftangriff hindeuteten.

Der Konflikt zwischen Iran auf der einen und den USA, Israel und den Golfstaaten auf der anderen Seite hat sich in den vergangenen Monaten mit einer Reihe von Vorfällen verschärft. So macht Israel Iran für eine Cyberattacke auf seine Wasserversorgung verantwortlich. Der wichtigste Hafen Irans in Bandar Abbas soll ebenfalls Ziel eines elektronischen Angriffs geworden sein. Im Irak kam es wiederholt zu Angriffen mit Raketen und Mörsergranaten auf Militärstützpunkte, auf denen Amerikaner stationiert sind, und andere Einrichtungen mit US-Präsenz, etwa die US-Botschaft in Bagdad und Ölanlagen.

In der Nähe der irakischen Hauptstadt stürmten in der Nacht zum Freitag Anti-Terror-Einheiten das Hauptquartier der von Iran kontrollierten Schiiten-Miliz Kataib Hisbollah. Die USA machen sie für viele der Angriffe verantwortlich und haben sie als Terrororganisation eingestuft. Ihr langjähriger Kommandeur Jamal al-Ibrahimi, besser bekannt als Abu Mahdi al-Muhandis, wurde am 3. Januar am internationalen Flughafen von Bagdad zusammen mit dem Kommandeur der Quds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, durch einen Luftangriff einer US-Drohne getötet. Kataib Hisbollah und andere Milizen haben daraufhin geschworen, die US-Streitkräfte aus dem Irak zu vertreiben.

Die USA wollen das auslaufende Waffenembargo gegen Teheran unbegrenzt verlängern

Der neue irakische Premier Mustafa al-Kadhimi, zuvor Geheimdienstchef, hat ein härteres Vorgehen gegen die von Iran kontrollierten Milizen im Irak angekündigt. Laut Regierungsquellen in Bagdad war unter den bei der Razzia Festgenommenen ein Iraner. Widersprüchliche Informationen gab es darüber, ob die Festgenommene wieder freigelassen oder manche den Amerikanern übergeben wurden. Zeitweise hatten Mitglieder der Miliz ein Gebäude der Sicherheitskräfte in der Grünen Zone von Bagdad belagert. Iran machte die USA für die Razzia verantwortlich.

Auch diplomatisch verschärft sich die Auseinandersetzung weiter. US-Außenminister Mike Pompeo hat dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, mit der Washington das im Oktober auslaufende Waffenembargo gegen Teheran unbegrenzt verlängern will. Russland und China lehnen das ab, Frankreich, Großbritannien und Deutschland streben eine begrenzte Verlängerung an. Die Aufhebung ist im Atomabkommen mit Iran vorgesehen. US-Präsident Donald Trump hat im Mai 2018 den Ausstieg aus dem Deal verkündet. Nun drohen die USA, einen Mechanismus auszulösen, der alle aufgehobenen UN-Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft setzen würde. Dieser kann nicht durch ein Veto gestoppt werden. Allerdings sind sowohl die Europäer als auch China und Russland der Auffassung, dass die USA sich darauf nicht berufen können. Auch fordert die Internationale Atomenergiebehörde IAEA Aufklärung über und Zugang zu mehreren Einrichtungen in Iran, was Teheran bislang verweigert.

© SZ vom 27.06.2020

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