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Interview in US-Zeitung:Was seine Tante über Nordkoreas Diktator zu erzählen hat

Kim Jong Un

Dieses undatierte Foto, im August 2015 von der nordkoreanischen Regimezeitung Rodong Sinmun veröffentlicht, zeigt Kim Jong Un bei der Inspektion einer Obstplantage in Pjöngjang.

(Foto: dpa)
  • Eine Tante von Nordkoreas Machthaber hat in einem Interview ihre Erinnerungen an Kim Jong Uns Kindheit publik gemacht.
  • Sie lebt seit ihrer Flucht unter falschem Namen im Exil in den USA.
  • An ihren Neffen, über dessen Privatleben nur sehr wenig bekannt ist, erinnert sie sich als "aufbrausenden" und nicht an der Schule interessierten Jungen, der "besessen" von Basketball gewesen sei.

Eine Tante von Kim Jong Un lebt einem Zeitungsbericht zufolge mit ihrer Familie in den USA unter falschem Namen und betreibt eine chemische Reinigung. Sie ist die Schwester der mittlerweile verstorbenen Mutter des nordkoreanischen Machthabers. Die Washington Post hat nun ein Interview mit Ko Yong Suk veröffentlicht. Sie sprach in New York sowie in ihrem einige Autostunden entfernten Haus mit den Reportern.

Dem Bericht zufolge ging sie vor 18 Jahren ins Exil, als sie sich wegen der Betreuung ihres Neffen und anderer Familienmitglieder in Bern aufhielt. Kim Jong Un besuchte Ende der 1990er Jahre dort eine Schweizer Schule. Ko floh dem Bericht zufolge 1998 in die Berner US-Botschaft und erhielt schließlich politisches Asyl in den Vereinigten Staaten. Mit ihrem Mann Ri Gang hat sie drei Kinder.

Über die Flucht der Tante des Diktators hatte 2013 bereits eine südkoreanische Zeitung berichtet. Nun gab Ko Details aus dem sonst so abgeschotteten Privatleben des heutigen Machthabers preis.

Als Kim Jong Un seinen Basketball mit ins Bett nahm

Demnach wurde Kim in der Tat 1984 geboren, was bislang nicht als gesichert galt. Ko hat unter anderem einen Sohn, der genauso alt ist wie Kim. "Er und mein Sohn waren von Geburt an Spielkameraden", erzählte sie. "Ich habe ihnen beiden die Windel gewechselt." Kims größtes Interesse sei Basketball gewesen. "Er war besessen", erinnert sich seine Tante. Er habe seinen Basketball sogar abends mit ins Bett genommen.

Seit seinem achten Geburtstag habe Kim Jong Un gewusst, dass er einmal die Führung des Landes übernehmen werde, sagte Ko. Damals habe er eine Generaluniform geschenkt bekommen und die oberste Militärriege des Landes habe begonnen, sich vor ihm zu verbeugen.

Kim sei oft "aufbrausend" gewesen und habe die Schule vernachlässigt. Wenn ihn seine Mutter bat, nicht mehr zu spielen und stattdessen etwas zu lernen, habe er nicht widersprochen: "Er protestierte auf andere Weise, etwa, indem er in Hungerstreik trat."

"Ich verstehe die USA, und ich verstehe Nordkorea"

In den USA bauten sich Ko und ihre Familie der Washington Post zufolge mit finanzieller Hilfe des Geheimdienstes CIA ein neues Leben auf. Noch immer arbeite die Familie mit dem Dienst zusammen, Geheimnisse über Nordkorea könne sie aber nicht preisgeben. "Sie dachten, wir müssten etwas wissen, aber wir wussten gar nichts", sagte Ko. "Wir haben nur auf die Kinder aufgepasst."

Kos Ehemann Ri hat sich - im Gegensatz zu seiner Frau - nach eigener Aussage zum Ziel gesetzt, eines Tages in sein Heimatland zurückzukehren und möglichst zwischen dem Regime und anderen Staaten zu vermitteln. "Ich verstehe die USA, und ich verstehe Nordkorea", sagte er der Zeitung.

Das kommunistische Nordkorea gehört zu den am strengsten abgeschotteten Ländern der Welt. Nur äußerst selten gelingt Bürgern die Flucht aus dem Land. Auch das Privatleben der Führung wird geheimgehalten.

© SZ.de/AFP/dpa/ihe/ghe
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