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Studie:Die meisten Deutschen wollen eine Willkommenskultur

Frauen mit Kopftüchern in Stuttgart

Deutschland schottet sich nicht ab - das ist das Ergebnis einer neuen Studie zu Integration und Willkommenskultur.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie der Mercator-Stiftung zeigt, dass sich das Integrationsklima in Deutschland trotz verschärfter politischer Debatten nicht verschlechtert habe.
  • Den Forschern zufolge ist eine gewisse "Entkrampfung" in der Gesellschaft festzustellen.
  • Es bleibt aber eine starke Kluft bestehen zwischen denen, die offen sind, und denen, die Deutschland als Heimat nur Menschen zugestehen, die bereits hier sind.

"Die Einstellungen zu Integration sind mehrheitlich gut": Das ist die zentrale Botschaft von Konfliktforscher Andreas Zick, der am Donnerstag eine neue Studie in Berlin vorstellt. Gefördert von der Mercator-Stiftung, hat er mit Hilfe einer repräsentativen Befragung untersucht, wie die deutsche Bevölkerung Integration und Willkommenskultur sieht. "Es gibt kein Bedürfnis nach Abschottung. Die Integrationsleistungen sind viel besser als es politische Reden unterstellen", sagt Zick zur Süddeutschen Zeitung.

Für das Projekt "ZuGleich - Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit" haben Zicks Mitarbeiter im vergangenen Jahr mehr als 2000 Personen zwischen 18 und 93 Jahren befragt, davon knapp 18 Prozent mit Migrationshintergrund. Es war die dritte Befragung im Zweijahresabstand. Die Studie zeigt, dass vor allem ältere und geringer gebildete Menschen eine Willkommenskultur ablehnen. Christen sind prinzipiell offener als Konfessionslose, haben aber auch ein Bedürfnis, deutsche Traditionen zu pflegen.

Knapp 37 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund befürworten eine gesellschaftliche Willkommenskultur und das damit verknüpfte offene Heimatkonzept. Nur ein gutes Viertel der Befragten spricht sich gegen eine Willkommenskultur aus; in 2016 war es noch rund ein Drittel. Forscher Zick zufolge könne man von einer gewissen "Entkrampfung" sprechen. Von der überreizten und scharfen Stimmung des Jahres 2016 sei 2018 wenig übrig geblieben.

Es bleibt aber eine starke Kluft bestehen zwischen denen, die offen sind, und denjenigen, die Deutschland als Heimat nur jenen zugestehen, die "bereits hier sind" und gegenüber jenen, die "noch kommen", eine reservierte Haltung einnehmen. Nur gut 30 Prozent - und damit 20 Prozent weniger als noch zwei Jahre zuvor - äußern in 2018 Gefallen daran, dass sich Migrantinnen und Migranten für Deutschland als neue Heimat entscheiden. Zugleich freuen sich aber auch mehr als die Hälfte der Befragten darüber, dass sich Migranten hierzulande zuhause fühlen. Das kann man so deuten: Die meisten wollen nicht, dass noch mehr Migranten nach Deutschland kommen. Die, die schon hier sind, sollen aber ankommen und sich wohl fühlen.

Zu dem kontrovers diskutierten Thema in Migrationsdebatten, wann Menschen mit Migrationsgeschichte deutsch oder vielmehr "deutsch genug" seien, liefert die Studie interessante - und für Zugewanderte ermutigende - Erkenntnisse: Gefragt wurde nach Kriterien, die Menschen erfüllen müssen, um dazuzugehören. Ausschließende Merkmale wie Geburtsland, verbrachte Lebenszeit in Deutschland oder Religionszugehörigkeit scheinen immer weniger relevant zu werden. Als wichtig für die Zugehörigkeit werden stattdessen das Beherrschen der deutschen Sprache und die Achtung politischer Institutionen bewertet. Auch dem Gefühl, in Deutschland zu Hause zu sein, und der Tatsache, eine Arbeit zu haben, messen mehr als drei Viertel eine Bedeutung zu. Allerdings entscheidet sich die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft für mehr als ein Drittel der Befragten noch immer klar an der deutschen Staatsangehörigkeit. Je älter die Befragten, desto mehr Zugehörigkeitsbedingungen werden gestellt.

Dazu passt, dass es vor allem ältere Menschen sind, die Vorrechte für die einfordern, die schon immer bzw. länger in Deutschland leben. Im Vergleich zu den Befragungen in den Vorjahren sind sie leiser geworden, aber nicht verstummt. Noch immer befürworten 36,7 Prozent der Befragten eine Benachteiligung und etwas mehr als ein Viertel der Befragten verbittet sich Ansprüche der "Neuen". Ältere Menschen fordern auch signifikant häufiger als jüngere die Rückeroberung des öffentlichen Raums und eine Wiederbelebung deutscher Traditionen und Werte.

Ein weiterer interessanter Befund betrifft soziale Gruppen: Mindestens acht von zehn Befragten lehnen Separierung und homogene Gruppen ab. Nur die älteste Altersgruppe wünscht sich signifikant häufiger eine soziale Separierung. Dabei stört es Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen stärker, wenn Migranten nur untereinander befreundet sind, als wenn Deutsche ohne Migrationshintergrund nur Deutsche als Freunde haben.

Eine vielfältige und von Migration geprägte Gesellschaft findet starken Zuspruch. Bemerkenswert ist, dass über die Hälfte der Personen ohne Migrationshintergrund der Meinung ist, dass die unterschiedlichen Sprachen auch im öffentlichen Raum und in Institutionen berücksichtigt werden sollten. Befragte mit Migrationshintergrund dagegen zeigten sich in diesem Punkt verhaltener.

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