Berlin:Fast alle Klimaaktivisten brechen Hungerstreik ab

Hungerstreik für den Klimaschutz

Seit 30. August verweigerten eine Gruppe junger Erwachsener in der Nähe des Berliner Reichstagsgebäudes die Nahrungsaufnahme.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Nur ein Mann und eine Frau machen in Berlin weiter und treten sogar in einen Durststreik, um ein Treffen mit den Kanzlerkandidaten zu erzwingen. Klimaforscher Schellnhuber will die Aktion stoppen.

Nach mehr als drei Wochen haben drei weitere Klimaaktivisten ihren Hungerstreik in Berlin abgebrochen. Dies teilte die Sprecherin der Aktion, Hannah Lübbert, am Mittwoch mit. Von ursprünglich sieben Teilnehmern haben somit inzwischen sechs wieder angefangen zu essen. Die Aktion hatte am 30. August in der Nähe des Berliner Reichstagsgebäudes begonnen.

Die Klimaaktivisten forderten ein öffentliches Gespräch mit den drei Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen sowie die Einsetzung eines Klima-Bürgerrats. Es gebe keine Bereitschaft der Kandidaten zum Gespräch, erklärte Lübbert. "Würden wir weitermachen - wir würden sterben zugunsten eines kalten, fantasielosen politischen Weiter-So, das für alles Leben auf der Erde tödlich enden wird."

Ein junger Mann hat jedoch einen anderen Weg angekündigt: Zusammen mit einer Frau, die seit dieser Woche hungert, will er nach eigenen Angaben auch in einen "Durststreik" treten, sollte das für Donnerstagabend geforderte öffentliche Gespräch mit den Kanzlerkandidaten nicht zustande kommen.

Zuvor hatte der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber zur sofortigen Beendigung des Hungerstreiks von Klimaaktivistinnen und -aktivisten im Berliner Regierungsviertel aufgerufen. In einem am Mittwoch verbreiteten offenen Brief äußerte der frühere Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zwar Verständnis für die seit mehr als drei Wochen laufende Aktion. Er könne sich sogar vorstellen, sich eines Tages selbst an einem Klimahungerstreik zu beteiligen.

"Das Zeichen, das ihr gesetzt habt, ist auf der ganzen Welt wahrgenommen worden"

Schellnhuber fügte allerdings hinzu: "Aber dieser Tag, wo man sich für das Wohlergehen der Gemeinschaft selbst Gewalt antun möchte, ist noch nicht gekommen - auch nicht für euch!" Noch stünden eine Fülle von gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten zur Verfügung, bei denen niemand zwingend sein Leben für die Bewahrung der Schöpfung gefährden müsse, schreibt Schellnhuber. "Vermutlich werden sich nach der Bundestagswahl am 26. September 2021 sogar größere Spielräume für eine deutsche Klimapolitik eröffnen, die der dramatischen Lage eher gerecht wird."

In dem offenen Brief Schellnhubers heißt es an die Adresse der Hungerstreikenden: "Das Zeichen, das ihr gesetzt habt, ist ohnehin schon auf der ganzen Welt wahrgenommen worden." Der Wissenschaftler bot an, so bald wie möglich Treffen mit führenden Klimawissenschaftlern zu organisieren, wo die Jugendlichen ihren Standpunkt vorbringen könnten.

© SZ/dpa/epd/hum
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