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Hiroshima:Lehren der Bombe

Minister Kerry zeigt, dass er die Lehren aus dem Abwurf akzeptiert hat, auch wenn sich die USA nicht entschuldigen.

Von Stefan Kornelius

Selbst 71 Jahre nach dem ersten Atomwaffeneinsatz in Hiroshima ist es umstritten, ob die Bombardierung für die Kapitulation Japans im Pazifikkrieg militärisch zwingend war. Sicher ist, dass mit dem Abwurf das Kriegsende beschleunigt wurde, dass alleine in Hiroshima bis zu 160 000 Menschen ihr Leben ließen - und dass über eine Rechtfertigung für den Einsatz einer Massenvernichtungswaffe heute nicht mehr zu reden ist. Die gibt es nämlich nicht.

Wenn der amerikanische Außenminister 71 Jahre nach diesem Abwurf nun als erster Regierungsvertreter der USA am Hiroshima-Mahnmal den Kopf senkt, aber nicht als Geste der Entschuldigung den Rumpf beugt, dann zeugt diese Verkrampfung von einem historischen Dilemma, dem die USA nicht entkommen werden: Man mag den Einsatz in seinem historischen Kontext zu rechtfertigen versuchen - die Monströsität der Wirkung dieser Waffe dreht aber auch John Kerry den Magen um, wie er selbst sagte.

Umso wichtiger ist es, dass die Kriegsparteien von damals ein paar Lehren für heute beherzigen: dass Japan trotz Nordkorea keine nuklearen Ambitionen entwickelt, dass Kerry Irans Atomgelüste in Verhandlungen niederringt, dass die Nuklearmächte die Balance des Schreckens aus dem Kalten Krieg nie vergessen und eine Erstschlagsoption nie auch nur in Erwägung ziehen. All das kommt einer Entschuldigung für Hiroshima schon nahe.

© SZ vom 12.04.2016

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