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Hiroshima:Große Geste

Nach 71 Jahren erweist der US-Präsident den Opfern Respekt.

Von Hubert Wetzel

Historiker streiten noch immer darüber, ob der Abwurf der Atombombe über Hiroshima am 6. August 1945 militärisch notwendig war, um Japans Kapitulation zu erzwingen, oder ob es ein Kriegsverbrechen war, bei dem Zehntausende Zivilisten getötet wurden. Barack Obama neigt der ersten Sichtweise zu, sein geplanter Besuch in der Stadt - die erste Visite eines amtierenden US-Präsidenten dort - ist daher weder ein Schuldeingeständnis noch eine Bitte um Vergebung. Das wäre auch etwas viel verlangt von einem amerikanischen Staatschef. Schließlich fiel die Bombe am Ende eines Krieges, den Japan mit dem Überfall auf Pearl Harbor begonnen hatte.

Man kann auch bezweifeln, dass von dem Besuch in Hiroshima irgendein nennenswertes Signal ausgehen wird für das luftige Ziel einer Welt ohne Atomwaffen, wie das Weiße Haus es behauptet. Jede Regierung, die Atomwaffen besitzt, weiß, was diese anrichten können - und will sie im Zweifelsfall genau deswegen behalten. Hiroshima ist in der kalten Welt der Militärstrategen vielleicht eine Mahnung. Aber es ist auch eine Erinnerung daran, dass ein Nukleararsenal eine sehr brauchbare Lebensversicherung ist.

Dennoch ist Obamas Besuch wichtig, es ist eine sehr einfache und zugleich große Geste: 71 Jahre nach Kriegsende erweist der amerikanische Präsident den Opfern eines der schrecklichsten Tage des 20. Jahrhunderts seinen Respekt.

© SZ vom 11.05.2016

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