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Hilfe für Flüchtlinge aus Libyen:Neubeginn in Deutschland

Sie waren vor Gaddafis Terror geflohen - nun erreichen 195 Flüchtlinge aus Lybien Deutschland. In den nächsten Jahren sollen insgesamt 900 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aufgenommen werden. Hilfsorganisationen ist das zu wenig.

Eineinhalb Jahre haben sie in einem Wüstenlager in Tunesien ausgeharrt, jetzt versuchen 195 Flüchtlinge aus Libyen in Deutschland den Neuanfang. Am Montag wurden sie am Flughafen Hannover vom Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder, Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sowie dem Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, empfangen.

Die meisten der Flüchtlinge kommen ursprünglich aus dem Sudan, Somalia, aber auch aus dem Irak. Sie hatten zum Teil seit Jahrzehnten in Libyen gearbeitet oder dort studiert. Nach den Wirren und Kämpfen der Revolution Anfang des Jahres, retteten sie sich unter oft dramatischen Umständen ins benachbarte Tunesien. Die deutsche Innenministerkonferenz hatte beschlossen, in den kommenden drei Jahren insgesamt 900 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aufzunehmen.

Die deutsche Flüchtlingshilfsorganisation "Pro Asyl" forderte die Aufnahme weiterer Flüchtlinge in Deutschland. Im Lager Choucha im libysch-tunesischen Grenzgebiet lebten rund 2200 Flüchtlinge, von denen 900 noch keine Zusage für ein Resettlement-Programm hätten. Die Verhältnisse in dem Lager seien katastrophal. Es fehle an Trinkwasser, medizinischer Versorgung und sanitären Anlagen. In Deutschland wird die Forderung lauter auch Flüchtlinge aus anderen Krisenregionen aufzunehmen. Grünen-Chefin Claudia Roth hatte vergangene Woche im Gespräch mit der SZ gefordert, auch syrische Flüchtlinge nach Deutschland zu holen.

Unter den Ankömmlingen aus Libyen waren zahlreiche Jugendliche und Kleinkinder. Die Flüchtlinge werden zunächst für zwei Wochen im ehemaligen Grenzdurchgangslager Friedland untergebracht. Dort sollen sie erste Deutsch-Kenntnisse sammeln und ihr neues Heimatland kennenlernen, bevor 172 von ihnen auf andere Bundesländer verteilt werden.

Die übrigen Neu-Ankömmlinge sollen in Niedersachsen bleiben. Insgesamt waren nach Behördenangaben 200 Flüchtlingen erwartet worden, doch hatten fünf Frauen die Reise zunächst nicht antreten können.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/dmo

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