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Hilfe für deutsche Reporter:Irans Chefdiplomat gibt sich kompromissbereit

Irans Außenminister Salehi hat seinen Amtskollegen Westerwelle nach Teheran eingeladen. Der Fall der inhaftierten Journalisten könne "in Sekunden" bereinigt werden.

Die iranische Führung hat im Fall der beiden inhaftierten deutschen Journalisten Entgegenkommen signalisiert. Die Reporter würden "im Einklang mit unserer Gesetzgebung und der im Islam verwurzelten Güte" behandelt, sagte Außenminister Ali Akbar Salehi dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Gibt sich im "Spiegel"-Interview versöhnlich: Irans amtierender Außenminister Ali Akbar Salehi.

(Foto: AFP)

Sein Ministerium versuche, "Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die zu Verzögerungen und Schwierigkeiten führen könnten", sagte Salehi in dem am Samstag vorab verbreiteten Interview. Wenn es nach ihm ginge, könne die Angelegenheit in Sekunden bereinigt werden. Außenminister Guido Westerwelle reagierte verhalten positiv auf die Äußerungen.

Er begrüße insbesondere die Einschätzung seines iranischen Kollegen, dass der Fall der beiden Reporter in absehbarer Zeit gelöst werden könne, sagte er in der Bild am Sonntag, jener Zeitung, für die die Inhaftierten arbeiten. Die von Salehi in dem Interview ausgesprochene Einladung zu Gesprächen nach Teheran nahm Westerwelle zurückhaltend auf.

"Wir werden alle sinnvollen und angemessenen Maßnahmen ergreifen, um ihre Rückkehr so schnell wie möglich zu erreichen", beteuerte Westerwelle. Im Auswärtigen Amt hieß es ergänzend, die Äußerungen des Ministers seien nach einer ersten Analyse allerdings sehr vage.

Salehi nannte es auch hilfreich, wenn der Axel-Springer-Verlag und die Chefredaktion der Bild am Sonntag Fehler einräumen würden oder sich entschuldigten. Verlag und Chefredaktion bekundeten daraufhin umgehend ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit Salehi.

"Aufsichtsrat, Vorstand und Chefredaktion sind jederzeit bereit, mit Minister Salehi persönlich in Teheran oder an einem anderen Ort seiner Wahl über alle relevanten Fragen zu sprechen", erklärte der Verlag. Die beiden Reporter befinden sich seit Oktober in iranischer Haft. Sie waren festgenommen worden, als sie den Sohn einer wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilten Frau interviewten. Ihnen wird vorgeworfen, ohne die notwendige Akkreditierung eingereist zu sein.

Iran vermeldet Erfolge bei Urananreicherung

Unterdessen wurden Meldungen verbreitet, wonach Iran mit seinem Programm zur Urananreicherung anscheinend weiter als bislang angenommen sei. Außenminister Ali Akhbar Salehi verkündete, sein Land werde noch in diesem Jahr einen Forschungsreaktor in Teheran mit selbst angereichertem Uran bestücken.

Ein Angebot der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands, den auf 20 Prozent angereicherten Kernbrennstoff zu liefern, verliere damit an Bedeutung. Der Islamischen Republik sei zudem ein Durchbruch gelungen, Uran sowohl für den Forschungsreaktor als auch für Atomkraftwerke anzureichern.

Iran gehöre damit zu den wenigen Ländern, die über diese Fähigkeit verfügten, sagte Salehi der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. Das einzige Kernkraftwerk in Buschehr ist auf angereichertes Uran aus Russland angewiesen. Der Iran und die Sechsergruppe wollen in weniger als zwei Wochen ihre Gespräche über das Atomprogramm des Golfstaats fortsetzen.

Die Weltgemeinschaft beschuldigt die Führung in Teheran, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten und hat deshalb Sanktionen verhängt. Iran bestreitet die Vorwürfe.

Angeblich US-Spionin verhaftet

Unterdessen hat Iran offiziell die Festnahme einer "Spionin" aus den USA bestätigt. Die 34-Jährige sei in Dscholfa an der Grenze zu Aserbaidschan festgenommen worden, sagte der Vizechef der Grenzpolizei, Achmad Garawand, der Nachrichtenagentur Fars.

"Diese Person wurde am 5. Januar festgenommen, als sie als Touristin getarnt geheime Filmaufnahmen machte. Sie war auf einer Mission für den US-Geheimdienst." Der Name der "Spionin" wurde mit Hal Talajan angegeben. In iranischen Medien hatte es bereits am Donnerstag Berichte gegeben, dass eine "US-Spionin mit Spionageausrüstung in ihren Zähnen" gefasst worden sei. Ende Juli 2009 waren an der Grenze zum Irak drei US-Bürger festgenommen worden.

Die iranischen Behörden werfen ihnen Spionage vor, die Festgenommenen beharren jedoch darauf, dass sie sich während einer Wanderung verlaufen und versehentlich die Grenze zum Iran überquert hätten. Während die 32-jährige Sarah Shourd aus humanitären Gründen freigelassen wurde, befinden sich ihre beiden 28-jährigen Gefährten, Shane Bauer und Josh Fattal, weiter in Haft. Der Prozess gegen alle drei soll am 6. Februar beginnen.