CDU: Roland Koch tritt ab Politik war sein Leben - die Wirtschaft wartet

Das war's, und nun ab in die Wirtschaft: Entspannt, fast elegant, stellt sich Roland Koch der Öffentlichkeit. Der hessische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Chef zieht sich aus der Politik zurück. Noch lange nicht will er auf der "Pensionsliste" erscheinen.

Selten ist ein Rücktritt so elegant. Im dunklen Anzug mit weinroter Krawatte erscheint Roland Koch an diesem Dienstagmittag, und er wirkt entspannt, fast erleichtert. Oft lächelt der CDU-Mann, der sich als Hardliner in der Ausländerpolitik geriert hat.

"Ich bin ein politisches Wesen", sagt Roland Koch und verkündet seinen Abschied aus der Politik.

(Foto: online.sdepolitik)

In der Wiesbadener Staatskanzlei, dem einstigen Hotel Rose, das der Immobilien-Gaukler Jürgen Schneider vor dem Verfall gerettet hat, präsentiert sich Koch als Mann, der das politische Tamtam hinter sich hat.

Heute ist der Tag des angekündigten Rückzugs, eines Rückzugs auf Raten. "Politik ist nicht mein Leben", sagt Roland Koch, 52, als Schlüsselsatz. Der hessische Ministerpräsident und CDU-Vize will wieder Anwalt sein, so wie damals, vor Beginn seiner Karriere.

Seine provisorisch errichtete Pressekonferenz wird auf allen Nachrichtensendern übertragen. Es ist die Sensation des Tages. Kanzlerin Angela Merkel wird einen ihrer ärgsten Kritiker los. Mit ihm verlässt Umweltministerin Silke Lautenschläger, 41, das hessische Kabinett. Sie gehörte der Landesregierung seit 2001 an, zunächst als Sozialministerin.

Im Hinblick auf die Wahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai und der Landesvorsitzendenwahl im Juni habe er sich den Termin für seine Entscheidung genau ausgesucht, erklärt Roland Koch. Er werde im Juni nicht mehr für das Amt des hessischen CDU-Landeschefs kandidieren und am 31. August das Amt des Ministerpräsidenten aufgeben. Innenminister Volker Bouffier steht als Nachfolger bereit. Auch wolle er sich im November nicht noch einmal zur Wahl des stellvertretenden Bundesparteichefs stellen.

Das ist ein und für die CDU. Roland Koch aber wirkt in der wilhelminischen Klassik von Wiesbaden entspannt wie der Gast einer Straußenwirtschaft im Rheingau nach einem schönen Schöppchen. Wäre er doch als Ministerpräsident einmal so locker gewesen!

Politik sei immer ein faszinierender Teil seines Lebens gewesen, führt der Dissident aus. Diejenigen, die ihn kennen, wüssten, dass er immer sehr großen Wert auf eine angemessene Balance zwischen politischen Engagement und Selbständigkeit gelegt habe.

Koch unterstreicht auch, dass sowohl seine Familie als auch Parteichefin Angela Merkel seit einem Jahr von seiner Entscheidung gewusst hätten. Mit großer persönlicher Zufriedenheit blicke er auf elf Jahre Ministerpräsident zurück - ein Wechsel an der Spitze gehöre zu den Voraussetzungen dafür, dass Politik lebendig bleibe.

"Ich bin ein politisches Wesen und es wird mich einiges an Disziplin kosten, die Politik nicht vom Seitenrand zu beurteilen", führt Koch aus. Im Hinblick auf seine Karriere nach dem Rücktritt versichert er den Journalisten: "Eines ist ganz sicher, Sie werden mich noch ganz lange nicht auf der Pensionsliste des Landes Hessen finden."

Für Roland Koch zeichnet sich eine Karriere à la Friedrich Merz ab: Der CDU-Kollege bewährt sich bereits als Wirtschaftsjurist. Auch Koch wurden schon lange Neigungen nachgesagt, irgendwann in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Er hat gute Kontakte in die Wirtschaft, lukrative Mandanten dürften sicher sein. Welcher Beschäftigung er nach seiner politischen Karriere nun nachgehen werde, lässt Koch bewusst offen.

Nur. Er gehe in die Wirtschaft. Er wolle wieder "im Bereich von Wirtschaft und unternehmerischen Entscheidungen" tätig sein, verdeutlicht der CDU-Politiker. Der Wechsel werde aber nicht nahtlos sein. Ein paar Monate werde er sich Zeit nehmen, um durchzuatmen, erklärt der Noch-Ministerpräsident.

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Der nunmehr 52-Jährige regiert seit 1999 in Hessen. Seit 2009 koaliert die CDU wieder mit der FDP. Lange waren Koch bundespolitische Ambitionen nachgesagt worden. Mal galt er als jemand, der sogar Kanzler werden könnte, zuletzt war er im Gespräch als möglicher Bundesfinanzminister.

Auch galt er als Anwärter auf den Posten eines EU-Energiekommissars - einem Wechsel nach Brüssel soll Koch aber nicht zugestimmt haben. So wurde der Weg für Günther Oettinger frei.

Nach der Landtagswahl 2008 war Koch stark angeschlagen und konnte seine Macht in Hessen nur sichern, weil die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti keine Koalition zustande brachte. Es wurde 2009 noch einmal gewählt, diesmal reichte es knapp für Koch.

Zuletzt machte der Mann aus Eschborn mit dem Vorschlag von sich reden, den Haushalt durch Einsparungen in der Bildung zu sanieren. Dafür erntete er heftigen Widerspruch in der eigenen Partei, selbst von Finanzminister Wolfgang Schäuble.

In Wiesbaden hatte es seit einiger Zeit geheißen, dass Koch seine Nachfolge rechtzeitig vor der Landtagswahl 2014 regeln werde. Am 11. Juni findet ein Landesparteitag der Hessen-CDU statt. Da wird er nun, ein erster Akt, seine CDU-Ämter zur Verfügung stellen. Angela Merkel wird es verschmerzen können.

Roland Koch aber ist mit sich im Reinen: "Ich gehe mit der Gewissheit, dass es ein Privileg ist, dass man selbst entscheiden kann, wann es genug ist."

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