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Handwerk:Meistersinger

Eine Rückkehr zum Meisterzwang ist nicht nötig.

Von Henrike Rossbach

An diesem Freitag, wenn die Kanzlerin zur Handwerksmesse nach München kommt, rollt das Handwerk der Politik den roten Teppich aus. An den meisten anderen Tagen im Jahr ist es umgekehrt - zumindest verbal. Die Hymnen, die in Berlin aufs Handwerk gesungen werden, füllen mehr als ein Liederbuch. Zu Recht, denn die Handwerker stärken ländliche Regionen, denken in Generationen und bilden auch solche Jugendliche aus, die nur mit Ach und Krach die Schule geschafft haben. Sie integrieren Flüchtlinge und wandern nicht ab, wenn ihnen die Steuersätze nicht passen. Im Gegenzug werden die Wünsche der Branche oft erhört - von der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerksleistungen bis zur kostenlosen Meisterausbildung im Koalitionsvertrag.

Einmal aber ist die Politik dem Handwerk im großen Stil untreu gewesen: bei der Abschaffung der Meisterpflicht in 52 von 93 Gewerken. Inzwischen aber steigt die Zahl der Reumütigen, die diese Reform rückabwickeln wollen. Das aber würde den vielen kleinen Betrieben Probleme bereiten, die durch die Liberalisierung entstanden sind. Der Meisterbrief als Qualitätssiegel funktioniert auch so. Und ihre geringere Ausbildungsleistung können sich die Branchen ohne Meisterzwang in einem alternden Land ohnehin nicht mehr lange leisten.

© SZ vom 15.03.2019
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