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Großbritannien:Freie Fahrt für Supertanker

Der britische Außenminister Hunt will im Konflikt mit Iran einlenken. Teheran erklärt sich bereit zu Gesprächen mit den USA.

Großbritannien will im Konflikt mit Iran um einen beschlagnahmten Supertanker offenbar einlenken. Der britische Außenminister Jeremy Hunt sagte, freie Fahrt für das Schiff sei möglich, wenn Iran garantieren könne, dass der Tanker nicht gegen die EU-Sanktionen gegen Syrien verstoße. Diese untersagen unter anderem Öllieferungen an das Kriegsland. Die Grace 1 war Anfang Juli am Freitag vor Gibraltar festgesetzt worden wegen des Verdachts, sie bringe Öl von Iran nach Syrien. Hunt twitterte am Samstag, er habe mit Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif gesprochen und einen "konstruktiven Anruf" gehabt. Er habe Sarif versichert, Großbritannien gehe es nicht darum, woher das Öl komme, sondern welches Ziel es habe. Hunt zufolge betonte Sarif, Teheran wolle die Lage nicht eskalieren lassen. Die iranischen Revolutionsgarden hatten in einem mutmaßlichen Vergeltungsschlag für die Beschlagnahme der Grac e 1 versucht, ein britisches Schiff an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus am Persischen Golf zu hindern.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani erklärte sich unterdessen bereit, umgehend mit den USA zu verhandeln - und befeuert damit Gerüchte um Vorbereitungen eines Treffens. "Für Verhandlungen (mit den USA) sind wir immer bereit, auch diese Stunde, sogar jetzt gleich", sagte Ruhani am Sonntag. Er stellte laut seinem Webportal allerdings erneut Bedingungen: Die Amerikaner müssten den Druck beenden und die Sanktionen gegen Iran aufheben. Am Sonntag traf der iranische Außenminister Sarif in New York ein. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wird Sarif am Mittwoch vor dem Wirtschafts- und Sozialrat der UN eine Rede halten. In Teheran kursieren Gerüchte, Sarif wolle in New York am Rande der UN-Vollversammlung eventuell ein Treffen im September mit den USA vorbereiten. Unterdessen hat die britische Mail on Sunday weitere Inhalte der vertraulichen Depeschen des zurückgetretenen britischen Botschafters in den USA veröffentlicht. Sie beziehen sich auf das Atomabkommen mit Iran. Demnach teilte der damalige Botschafter Kim Darroch seiner Regierung in London mit, seiner Einschätzung nach sei US-Präsident Donald Trump 2018 in erster Linie aus Gehässigkeit gegen Barack Obama aus dem Atomdeal ausgestiegen. Trumps Vorgänger hatte 2015 das Abkommen mit Iran unterzeichnet, an dem zudem Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Russland und China beteiligt sind. Darroch hatte am Mittwoch sein Amt niedergelegt, nachdem andere seiner negativen Einschätzungen über den US-Präsidenten an die Öffentlichkeit gelangt waren. Trump hatte daraufhin Darroch auf Twitter beleidigt und angekündigt, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Die Affäre um den Botschafter-Rücktritt belastet nun auch Boris Johnson. Der wahrscheinlich künftige Konservativen-Chef und damit künftige Premier räumte am Freitagabend ein, er habe zu Darrochs Rücktritt beigetragen. Anders als Premierministerin Theresa May, die Darroch das volle Vertrauen aussprach, wollte Johnson Anfang vergangener Woche in einer Fernsehdebatte keine Garantie geben, dass er als Regierungschef den Botschafter im Amt belassen werde. Dafür wurde Johnson angegriffen. Er sagte in einer anderen Sendung am Freitagabend dazu, man habe ihn falsch zitiert.