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Großbritannien:Dem Gegner hinterher

Warum Labour Boris Johnson kaum gefährlich werden kann.

Die Vorstellung des Wahlprogramms am Donnerstag sollte, so die Hoffnung der Labour-Spitze, dem Wahlkampf endlich den erhofften Kick und die Partei ins Gespräch bringen. Ein radikales Manifest, Umverteilung, Verstaatlichungen, Sozialprogramme, Geld für Bedürftige, für die Umwelt, all das soll die Tories provozieren und die Linke mobilisieren.

Tatsächlich sind die ersten Reaktionen auf das Programm selbst bei Skeptikern durchaus positiv - es sei mutig und konsequent, wenngleich auch kaum bezahlbar. Teure Wahlgeschenke versprechen allerdings auch die Tories. Nur: Darum geht es in diesem Wahlkampf, den Boris Johnson so unbedingt wollte, gar nicht. Es geht, auch wenn Labour das zu vermeiden sucht, nach wie vor um den Brexit und die Haltung der Parteien dazu. Johnson verspricht den EU-Austritt Ende Januar; der Freihandelsvertrag danach, sagt er, werde seine leichteste Übung. Ansonsten reist er durchs Land, ist vorlaut, lustig, vage, manchmal unseriös. Die Wähler stört das nicht, sie wollen ihm glauben.

Jeremy Corbyn wirkt angestrengt, Labour läuft dem Gegner hinterher. Solange sich die Partei in der Brexit-Frage nicht bekennt und hinter einem neuen Deal und einem zweiten Referendum versteckt, so- lange kann die Linke Johnson nicht gefährlich werden.