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Griechenland:Zeit für Solidarität

Europa darf Griechenland mit den Flüchtlingen nicht alleine lassen.

Es war vor allem ein Besuch mit Symbolkraft, als die Chefs der EU-Institutionen am Dienstagnachmittag mit dem griechischen Premier an der Grenze zur Türkei ankamen. Man wolle ein Zeichen der Solidarität mit Griechenland setzen, hieß es aus Brüssel. Das ist durchaus überfällig: Was dort jetzt eskaliert, ist nicht zuletzt das Resultat jahrelanger Realitäts- und Verantwortungsverweigerung des geeinten Europas.

Eine Weile hat das Verdrängen funktioniert: Jene Flüchtlinge, die trotz Abkommens mit der Türkei noch ankamen, wurden in Lagern auf den Inseln festgehalten, fernab vom griechischen Festland, fernab vom Rest Europas, wo ihre Anwesenheit, so die Befürchtung, den Rechten neuen Zulauf beschert hätte. Die aber wüten jetzt auf den Ägäis-Inseln, wo die enorme Gastfreundschaft der Einheimischen durch die Athener und Brüsseler Verdrängungspolitik überstrapaziert wurde. Die Extremisten, die Flüchtlinge und humanitäre Helfer attackieren, fühlen sich offenkundig ermutigt durch die Brutalität ihrer staatlichen Sicherheitskräfte, die Menschen in Not mit Tränengas beschießen.

Die europäischen Partner müssen darauf dringen, dass Athen Menschen wieder wie Menschen behandelt. Sie müssen den Griechen aber auch Antworten auf die Frage geben, wo diese Menschen denn hin sollen.

© SZ vom 04.03.2020

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