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Athen ohne Regierung:Technokraten sollen Griechenland aus der Krise führen

Griechenland am Scheideweg: Präsident Papoulias schlägt nach einem Treffen mit drei Parteivorsitzenden vor, ein Experten-Kabinett zu bilden. Heute soll über diese letzte Möglichkeit zur Regierungsbildung entschieden werden - sonst wird neu gewählt.

Angesichts der politischen Blockade in Griechenland hat Präsident Karolos Papoulias die Bildung einer Regierung aus Technokraten vorgeschlagen. Um einen Austritt aus dem Euro zu vermeiden, habe der Staatschef am Montag den anwesenden drei Parteivorsitzenden vorgeschlagen, mit der Unterstützung des Parlaments ein Experten-Kabinett zu bilden, sagte der Vorsitzende der sozialistischen Pasok, Evangelos Venizelos, nach dem einstündigen Treffen.

Die Experten-Regierung solle von möglichst vielen der im Parlament vertretenen Parteien unterstützt werden. Venizelos selbst befürworte diese Lösung. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen der Staatspräsidentschaft erfuhr, will sich Papoulias an diesem Dienstagmittag mit allen Parteichefs - mit Ausnahme der Faschisten - treffen. Scheitern diese Gespräche, dürften Neuwahlen am 10. oder 17. Juni kaum noch zu verhindern sein.

Auch Dimar-Chef Fotis Kouvelis bestätigte, dass der Vorschlag für eine Experten-Regierung auf dem Tisch liegt. Seine gemäßigt linke Partei spreche sich jedoch weiterhin für eine politische Regierung aus, sagte er. Er werde am Dienstag diese These weiter vertreten. Ob er für diese Regierung stimmen wird oder nicht, blieb zunächst unklar.

Der Chef der Konservativen, der Nea Dimokratia, Antonis Samaras, sagte, er werde weiterhin alles für die Bildung einer Regierung tun. Eventuell könnte diese Regierung auch von der Rechtspartei der Unabhängigen Griechen (Anel) unterstützt werden. Zur Bildung einer Expertenregierung meinte Samaras: "Wir sagen zunächst nicht Nein."

Papoulias hatte bereits am Sonntag unter anderem Gespräche mit ND, Pasok und der linksradikalen Syriza geführt, die jedoch ohne greifbare Ergebnisse geblieben waren. Vor allem wegen der Verweigerungshaltung der Linksradikalen stellen sich die Griechen bereits auf Neuwahlen im Juni ein. Die Syriza, die ein Ende der Sparauflagen will, würde dabei voraussichtlich stärkste Kraft. Nach jüngsten Umfragen käme sie auf 27 Prozent der Stimmen.

© dpa/dapd/liv

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