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Ghana:Warum sich reichere Staaten zurückziehen

Reichere Staaten haben sich in den zwei vergangenen Jahrzehnten immer mehr aus der aktiven UN-Friedenssicherung zurückgezogen. Große Militärmächte wie die USA oder Kanada zahlen inzwischen lieber für UN-Einsätze, statt das Risiko einzugehen, dabei eigene Soldaten zu verlieren. Die Opfer bringen Staaten wie Ghana: Seit es UN-Friedenseinsätze gibt, hat das Land 133 Peacekeeper verloren - übertroffen nur von Pakistan, Nigeria und Indien.

Angehörige der ghanaischen Armee schreckt das nicht. "Wenn du Soldat in Ghana wirst, weißt du, dass du oft an Auslandseinsätzen teilnehmen wirst", sagt Daniel Akpeko. Der ghanaische Armeeoffizier ist einer von etwa 30 Männern und Frauen, die am KAIPTC gerade den Kurs "Konfliktanalyse und Mediation" besuchen. Knapp zwei Wochen verbringen sie in dem Zentrum in Accra, untersuchen in dem Seminar aktuelle Krisen in Afrika und lernen, wie sie eingedämmt werden können.

Für Akpeko, Spezialist für Einsatzlogistik, ist es der zweite Kurs am Zentrum. Er wurde schon in fünf Friedensmissionen entsandt. "Auch wenn ich schon Erfahrung habe, schärfen die Kurse hier meine Fähigkeiten", sagt er. Eine Frau in der blauen Uniform der ghanaischen Marine stimmt ihm zu: "Der Kurs ist hilfreich, er gibt einen Leitfaden an die Hand, wie man mit den Konflikten im Einsatzgebiet umgehen sollte", sagt sie.

Nicht alle Kursteilnehmer tragen Uniform. Stéphane Djegba, ein junger Mann im bunt gemusterten Hemd, kommt aus dem Nachbarland Elfenbeinküste. "Ich arbeite für eine Nichtregierungsorganisation, die Dorfchefs zu Streitschlichtern ausbildet", sagt er mit französischem Akzent. Er findet den Kurs sehr gut, nur die Unterlagen könnten zweisprachig sein, meint er. Djegba ist einer der Zivilisten, die am KAIPTC auf Friedensmissionen vorbereitet werden. Leute wie er kommen als Menschenrechts- oder Wahlbeobachter zum Einsatz.

30 000 Menschen vor Hutu-Extremisten gerettet

In den vergangenen Jahren hat das Kofi-Annan-Zentrum über Westafrika hinaus an Bedeutung gewonnen. Hintergrund ist die neue Sicherheitsarchitektur, an der Afrika seit gut zehn Jahren bastelt. "Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme" lautet das Motto der Staats- und Regierungschefs, die die Krisen des Kontinents zunehmend selbst in die Hand nehmen wollen. Unter anderem soll es ein Frühwarnsystem geben, ein hochrangiges Vermittlerteam und schnelle Eingreiftruppen in den einzelnen Regionen.

Das KAIPTC - zusammen mit zwei kleineren Zentren in Mali und Nigeria - ist in diesem Gefüge zuständig für die Ausbildung der Peacekeeper, die bei Krisen in Westafrika zum Einsatz kommen sollen. Aktuell dienen KAIPTC-Alumni zum Beispiel in Missionen in Liberia, Mali und der Elfenbeinküste. Auch in anderen Teilen Afrikas, in Darfur oder Somalia, sind Absolventen aktiv.

Die Bäumchen neben den Kursräumen erinnern die KAIPTC-Schüler daran, wessen Erbe sie antreten. Zusammen mit Roméo Dallaire sollen die ghanaischen Blauhelme in Ruanda mehr als 30 000 Menschen vor den mordenden Hutu-Extremisten gerettet haben.