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Gesundheit:Masern-Impfpflicht von März an

Der Bundestag soll das Gesetz an diesem Donnerstag beschließen. Eltern, die sich verweigern, sollen künftig Strafe zahlen - oder dürfen ihre Kinder nicht mehr in Kitas schicken.

Mit einer Impfpflicht gegen Masern in Kitas und Schulen will der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der gefährlichen Infektionskrankheit beikommen. Der Bundestag soll am Donnerstag beschließen, dass Eltern, die keinen Nachweis über eine Masernimmunität ihres Kindes erbringen, mit einer Geldbuße von bis zu 2500 Euro oder einem Ausschluss aus der Kita rechnen müssen. Künftig sollen Gesundheitsämter zunächst Eltern, die innerhalb einer Frist keinen Nachweis vorlegen, zu einer Beratung einladen und sie dort zum Impfen auffordern. So könnten Familien, die das Impfen schlicht vergessen haben, das Bußgeld noch abwenden. Die Impfverpflichtung soll ebenfalls für Personal in Kitas und Schulen sowie für Beschäftigte in medizischen Einrichtungen gelten.

Auch in Flüchtlingsunterkünften sollen die Bewohner und Mitarbeiter Masern-Impfungen nachweisen. Für Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, sowie für Personen, die vor 1970 geboren sind, gilt die Impfpflicht nicht. Wer schon einmal die Masern hatte, muss auch nicht mehr immunisiert werden, denn der Körper ist dann dauerhaft vor den Viren geschützt. Kinder, die bereits in einer Kita untergebracht sind, und Mitarbeiter müssen den Impfnachweis bis Ende Juli 2021 erbringen, die Impfpflicht soll ab März kommenden Jahres gelten.

Auch bei Jugendlichen und Erwachsenen gibt es Impflücken, sie betrifft die Maßnahme nicht

Die Impfung sei lediglich "ein kleiner Nachteil, eine kleine Belästigung", sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Rudolf Henke. Sie sei aber "ein großer Vorteil für die Menschen, die selbst nicht geimpft werden dürfen und sonst schutzlos der Infektion mit einer Krankheit ausgesetzt wären, die sie das Leben kosten kann". Sylvia Gabelmann von den Linken kritisiert dagegen die Pläne: "Zwang und Sanktionen machen misstrauisch, viel besser sind Überzeugung, Vertrauen, Freiwilligkeit und bessere Angebote", sagte sie.

Kinderärzte unterstützen die Impflicht, werben aber auch für weitere Maßnahmen. "Alle Kinder sollten gegen Masern geimpft werden, weil das ihr Leben schützt", sagte Hans-Iko Huppertz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Er forderte auch, Ärzte, die von Impfungen abraten, zur Verantwortung zu ziehen. Laut Huppertz müssten allerdings nicht nur Säuglinge und Kleinkinder geimpft werden, sondern auch ältere Jugendliche und Erwachsene. Bei Menschen in diesem Alter bestehen Impflücken, sie würden von den bisherigen Plänen aber nicht erfasst.