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Gesundheit:Creme für die Seele

Warum Sonnen­schutz in diesem Sommer besonders wichtig ist.

Von David Pfeifer

Von den vielen Theorien, die gerade den Zeitgeist prägen, kann man eine mit dem Augenschein prüfen: Es scheint heller geworden zu sein. Wer sich heftig blinzelnd auf dem Fahrrad oder im Auto wieder findet, weil er gegen die Sonne fährt und selbst mit zusammengekniffenen Augen kaum noch etwas erkennen kann, braucht allerdings nicht nur eine bessere Sonnenbrille. Viel wichtiger könnte in diesem Sommer der UV-Schutz sein.

Als Grund wird die gesunkene Feinstaubbelastung in der Luft vermutet, weniger Flüge, weniger Verkehr, also weniger Abgase. Das wäre ja erst mal eine gute Meldung, weil die Umwelt und die Lungen sauberer bleiben. Andererseits würde sich dadurch nicht nur das Risiko für Sonnenbrand erhöhen, sondern auch für dauerhafte Hautschädigungen, übrigens auch, wenn man in diesem Jahr daheim bleibt und Urlaub an den Seen macht, wo es zwar weniger heiß zugeht als am Mittelmeer, man sich aber gleichermaßen dem Risiko für Hautkrebs aussetzt.

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt gibt dazu an: "Die für Hautrötung wirksame bodennahe UV-Strahlung wird zu einem geringeren Anteil auch von der optischen Dicke des Aerosols bestimmt". Um allerdings den Einfluss des angeblich klareren Himmels auf die UV-Strahlung belastbar quantifizieren zu können, müssten Simulationen mit einem sogenannten Strahlungstransportmodell durchgeführt werden. Was bislang aber nicht geschehen ist. Mit anderen Worten: Man weiß es nicht so genau. Und es kann auch nicht auf die Schnelle erforscht werden, weil die UV-Belastung, ähnlich wie eine Virus-Verbreitung, eine sehr komplexe Angelegenheit ist, die von so vielen Faktoren abhängt, dass eine einfache Antwort nicht so bald zu erwarten ist. Auch das ein Zeichen der Zeit.

Was man sicher weiß: Sonnencreme ist ungefähr das einzige kosmetische Produkt, dessen Nutzen zu 100 Prozent erwiesen ist. Bereits vor über 20 Jahren landete der Regisseur Baz Luhrman mit dem Song "Everybody's Free (To Wear Sunscreen)", einen Überraschungshit. Der Text, der von einer amerikanischen Autorin stammt, steckt voller Lebensweisheiten: vom Hinweis, keine Schönheitsmagazine zu lesen, um sich nicht hässlich zu fühlen, bis zur Erkenntnis, dass die meisten Entscheidungen im Leben zur Hälfte auf Glück basieren. Doch in einer Sache war sich die Autorin völlig sicher: "Wenn ich nur einen Hinweis für die Zukunft abgeben könnte - es wäre Sonnenschutz (während der Rest meiner Ratschläge nur auf meiner mäandernden Lebenserfahrung beruht"). Überhaupt ein gutes Lied, auch im 21. Sommer nach seinem Erscheinen, und gerade in diesen Zeiten, wo viel von Ambiguitätstoleranz die Rede ist, also davon, dass die Menschen wieder lernen müssen, Unsicherheiten auszuhalten.

Eine Meldung, die ebenfalls seit einigen Tagen durch alle möglichen Kanäle mäandert: dass UV-Licht angeblich das Coronavirus erledigen könnte. Hierzu weist das Bundesamt für Strahlenschutz aber darauf hin, dass UV-Licht Flächen entkeimen kann - nicht aber Menschen. Es bleibt also, gerade in diesen Zeiten beim einzig verlässlichen Hinweis fürs Leben: Auf jeden Fall Sonnenschutz verwenden, am besten mit Lichtschutzfaktor 50 oder mehr.

© SZ vom 09.07.2020

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