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Frankreich:Im Kreislauf des Hasses

Das laizistische und liberale Frankreich wird mehr als alle anderen Staaten vom islamistischen Hass herausgefordert. Der Mord an dem Lehrer Samuel Paty berührt deshalb die zentralen Nervenstränge der Republik. Eine Befriedung wird Zeit kosten.

Von Stefan Kornelius

Der mutmaßlich islamistisch motivierte Mord an einem Lehrer in Frankreich hat gleich mehrere Hauptnervenstränge der Republik getroffen, weshalb die Bestürzung nicht künstlich und die Ängste nicht unbegründet sind. Die Liberalität der Nation wird aufs Neue getestet, der Schutz der demokratischen Freiheiten steht wieder zur Disposition. Das stellt das Land auf die Probe.

Fast sechs Jahre nach den Charlie-Hebdo-Morden und am Ende des Prozesses gegen die mutmaßlichen Hintermänner durchlebt Frankreich die immer gleichen Traumata, die sich aus einer Mischung von bestialischer Gewalt, Islamismus, den Grenzen von Meinungs- und Glaubensfreiheit und den Problemen der Integration speisen. Nun ist der Kontrast wieder einmal besonders stark: In der Person des Lehrers Samuel Paty wird die aufgeklärte, offene, laizistische Republik zum Opfer. Der mutmaßliche junge Täter scheint Werkzeug seines islamistischen Umfelds, obwohl er so lange im französischen System sozialisiert worden ist.

Der islamistische Terror lebt vom Vorbild, von der permanenten Erregung und dem Rachegedanken. Dieser Kreislauf funktioniert in Frankreich noch immer. Die islamistischen Milieus sind abgeschottet und gefährlich. Sie zu öffnen und die Gefahr zu brechen ist mehr denn je Aufgabe des Staates.

© SZ vom 19.10.2020
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