Fortschritte im Atomprogramm Iran trotzt den Sanktionen

Das Staatsfernsehen zeigte die Zeremonie live: Voller Stolz hat Iran eine neue Generation von Zentrifugen vorgestellt, das erste im Land selbst hergestellte Brennelement wurde eingesetzt. Der Westen fürchtet, einer der Reaktoren könnte zur Produktion von Plutonium dienen - mit dem ließen sich Atombomben bauen. Die verschärften Sanktionen gegen Iran können dagegen offenbar nichts ausrichten.

Von Paul-Anton Krüger

Ungeachtet der deutlich verschärften Sanktionen und der jüngsten Zuspitzung des Atomstreits hat Iran am Mittwoch in einer aufwendig inszenierten Zeremonie neue Fortschritte in seinem Nuklearprogramm bekanntgegeben. Im Beisein von Präsident Mahmud Ahmadinedschad setzten Wissenschaftler das erste im Land hergestellte Brennelement in einen Forschungsreaktor in Teheran ein.

Zudem gab der Chef der Iranischen Atomenergie-Organisation, Fereydun Abbasi-Davani, bekannt, die Entwicklungsarbeiten an einer neuen Generation von Zentrifugen zur Uran-Anreicherung seien abgeschlossen. Die Maschinen würden jetzt in der Anreicherungsanlage in Natans eingesetzt und seien dreimal so effektiv wie die bisher verwendeten. Die Produktionskapazität der Anlage werde um die Hälfte gesteigert. Auch werde Iran bald selbst Yellowcake herstellen, ein Gemisch von Uranverbindungen. Aus dem nach seiner Farbe benannten Pulver wird Uranhexafluorid gewonnen, der Stoff, der in Gasform wiederum zur Uran-Anreicherung verwendet wird.

Das Staatsfernsehen übertrug die Veranstaltung live. Es zeigte, wie der Vater des kürzlich bei einem Bombenanschlag getöteten Mostafa Ahmadi-Roschan die neuen Zentrifugen in Natans anschaltete. Sein Sohn war dort kaufmännischer Direktor gewesen. Auch Angehörige getöteter Wissenschaftler nahmen in Teheran an der Zeremonie teil. Das Fernsehen sendete zudem Bilder, wie ein Brennstab in das Reaktorbecken eingebracht wurde. Es war unklar, ob es sich dabei um ein Brennelement für den Reaktor in Teheran handelt oder für einen in Bau befindlichen Schwerwasserreaktor nahe Arak. Nach Befürchtungen des Westens könnte der zur Produktion von Plutonium dienen, das sich für Atombomben eignet.

Zugleich ist Teheran nach den Worten des stellvertretenden Sekretärs des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Bakeri, zu neuen Gesprächen mit den Vetomächten im UN-Sicherheitsrat und Deutschland bereit, die offenbar wieder in Istanbul stattfinden sollen. Ein Brief entsprechenden Inhalts an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sei am Mittwoch abgeschickt worden. Ashtons Büro bestätigte den Eingang des Schreibens, ohne jedoch auf den Inhalt genauer einzugehen.

"Radikale Lösungen vermeiden"

In Teheran wurden die Vertreter mehrerer EU-Staaten zu Gesprächen über das EU-Ölembargo ins Außenministerium geladen. Ein Sprecher der französischen Botschaft in Teheran sagte der Süddeutschen Zeitung, der für Westeuropa zuständige Direktor habe Botschafter Bruno Foucher mitgeteilt, das von der EU gegen Iran verhängte Öl-Importverbot verfolge "nicht den richtigen Ansatz". Es tritt im Juni in Kraft.

Das Ministerium arbeite "an neuen Bedingungen" für Öllieferungen. Offenbar verlangt Iran Zahlungsgarantien und langfristige Abnahmeverträge und drohte, sonst die Lieferungen einzustellen. Das Ministerium sei aber, so gab die Botschaft das Gespräch wieder, bemüht, "radikale Lösungen zu vermeiden". Das Ölministerium in Teheran dementierte Meldungen iranischer Medien, die Öllieferungen an sechs EU-Staaten seien eingestellt worden.

Das Parlament in Teheran hatte jüngst Beratungen über einen Gesetzentwurf nicht abgeschlossen, der die Regierung verpflichtet hätte, Ölausfuhren in die EU zu stoppen. Eine Entscheidung dürfte auf sich warten lassen, da die Abgeordneten am 2. März neu gewählt werden.