bedeckt München
vgwortpixel

Flüchtlingshelferin:Geflohen, gefeiert, verhaftet

Bambi-Verleihung

Bessere Zeiten: Sara Mardini (rechts) mit ihrer Schwester Yusra, die ebenfalls aus Syrien geflüchtet ist, bei der Bambi-Verleihung 2016 in Berlin.

(Foto: Clemens Bilan/dpa)
  • Die Syrerin Sara Mardini, die durch eine spektakuläre Rettungsaktion auf ihrer Flucht nach Deutschland berühmt wurde, sitzt im Gefängnis.
  • An einem Flughafen in Griechenland wurde sie festgenommen, die Rede ist unter anderem von Spionage und Menschenhandel.
  • Der ihr nahe stehende Schwimmtrainer Sven Spannekrebs hält es für unvorstellbar, dass Mardini mit Schleppern zusammengearbeitet haben könnte.

Eigentlich ist alles gut, als sich Sara Mardini am 21. August auf den Weg nach Berlin macht. In der deutschen Hauptstadt wartet ein Studienplatz am deutsch-amerikanischen Bard College. Private Spender haben ihr ein Stipendium ermöglicht. Und auf Lesbos, wo sie gerade herkommt, hat sie über Wochen das gemacht, was sie am liebsten tut: Sie hat Flüchtlingen bei der Erstversorgung geholfen.

Das Herz der jungen Syrerin also ist voll, als sie aufbricht. Sie hat gute Laune im Gepäck und ein bisschen Vorfreude - bis die griechische Polizei sie am Flughafen festnimmt.

Seither sitzt die 23-Jährige in U-Haft, mit ihr festgenommen wurde ein junger Deutscher, der 24-jährige Sean Binder. Beide haben seit Jahren immer wieder in der Flüchtlingshilfe auf der griechischen Insel Lesbos gearbeitet; beide haben das unter dem Dach der Nichtregierungsorganisation ERCI (Emergency Response Center International) getan. Und die Vorwürfe, die die griechische Polizei gegen sie richtet, sind dramatisch.

Von Spionage ist die Rede, von enger Zusammenarbeit mit Schleusern und damit verknüpft von Menschenhandel. Es geht nicht um Lappalien, sondern um Straftaten, auf die - so sie nachgewiesen werden - lange Haftstrafen folgen können. Kein Wunder, dass die beiden nun Angst haben. Und kein Wunder, dass ihre Angehörigen zuhause in größter Sorge sind.

Das gilt für Binders Eltern, der Vater ist einst als vietnamesischer Bootsflüchtling nach Deutschland gekommen. Mittlerweile leben die Eltern in Irland. Und es gilt für Saras Angehörige, die in Berlin ihr Zuhause gefunden haben. Sara und ihre jüngere Schwester Yusra sind nicht nur Flüchtlinge, die wie viele andere 2015 einem zerstörerischen Krieg entfliehen konnten. Beide sind über ihre Flucht auch noch berühmt geworden.

Porträt

Schwimm dich frei

Was wurde aus dem syrischen Mädchen Yusra Mardini, das ein Boot aus dem Meer zog, bei Olympia antrat und zum Gesicht der Flüchtligskrise wurde?   Von Verena Mayer

Kurz nach ihrer Ankunft in Berlin im Herbst 2015 wurde bekannt, dass die beiden jungen Frauen während der Flucht über die Ägäis nach einem Motorenausfall ins Wasser gesprungen waren und das komplette Schlauchboot mit fast zwei dutzend Flüchtlingen über viele Kilometer schwimmend an die Küste Griechenlands gezogen hatten.

Beide Mädchen gehörten damals der syrischen Schwimm-Nationalmannschaft an; auf der Flucht rettete das jahrelange Training plötzlich vielen Menschen das Leben. Kein Wunder, dass ihre Geschichte den Weg in viele Medien fand.

Die Konsequenz: Beide wurden ziemlich bekannt. Und Yusra, die jüngere Schwester, schaffte es mit Hilfe des Berliner Schwimmtrainers Sven Spannekrebs sogar ins Olympia-Team für Flüchtlinge bei den Olympischen Spielen 2016. Es folgten die Reise nach Rio de Janeiro und Treffen mit US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus.

Auch Sara reiste damals mit nach Brasilien. Unmittelbar danach aber begann sie, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. "Sie will helfen, sie will was zurück geben, sie will sich fürs eigene Glück bedanken", erzählt Schwimmtrainer Spannekrebs, der bis heute die Olympiaschwimmerin Yusra betreut und sich jetzt für ihre Schwester Sara einsetzt. "Ich weiß nicht, was da plötzlich für Kräfte wirken, aber eines ist sicher: Sara hasst die Schlepper. Sie hält niemanden für schlimmer. Deshalb ist es für mich nicht vorstellbar, dass sie mit Schleppern und Menschenhändlern kooperiert haben könnte."

Den gleichen Eindruck vermittelt Florian Becker, der Direktor des Bard-College Berlin. "Wir können uns nicht vorstellen, dass die Anschuldigungen gegen Sara richtig sind. Deshalb versuchen wir alles, um ihr zu helfen", sagt Becker. Das deutsch-amerikanische College vergibt Stipendien an seine Studenten; Sara ist eine von 30, die ein Vollstipendium für Flüchtlinge erhalten hat.