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Finanzielle Folgen:Desaströse Bilanz

Die Dieselaffäre hat Volkswagen bereits etwa 32 Milliarden Euro gekostet. Die größten Strafen fielen in den USA an, in Deutschland ist VW mit rund 2,3 Milliarden Euro vergleichsweise glimpflich davongekommen. Aber es ist noch nicht vorbei.

Von Klaus Ott

Diese Bilanz ist eine Katastrophe für Volkswagen. Insgesamt 32 Milliarden Euro hat der Dieselskandal den Autokonzern bislang gekostet. Der weitaus größte Teil, 23 Milliarden Dollar, entfällt auf Straf- und Schadenersatzzahlungen in den USA. Dort kommt der Betrug von Verbrauchern, in diesem Fall mit einem weit überhöhten Abgas-Ausstoß, besonders teuer. Im Vergleich dazu ist der VW-Konzern in Deutschland bisher eher glimpflich weggekommen. Volkswagen sowie die Töchter Audi und Porsche mussten insgesamt rund 2,3 Milliarden Euro Bußgeld zahlen. Außerdem haben auf dem Wege eines Musterverfahrens bis heute 240 000 Autokäufer nach Angaben des Konzerns rund 750 Millionen Euro Schadenersatz erhalten. Einige Tausend Kunden stehen noch aus. Mit mehr als 90 Prozent derjenigen Autobesitzer, die im Rahmen des Musterverfahrens Ansprüche geltend machen können, hat sich VW einem Konzernsprecher zufolge geeinigt.

Weitere 50 000 Autokäufer, die VW direkt und nicht über das Musterverfahren verklagen, profitieren von einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes vom 25. Mai 2020. Darin hat der BGH festgestellt, dass der Konzern seine Kunden bewusst getäuscht hat und deshalb prinzipiell haftet. Volkswagen kündigte an, diese Fälle nicht vor Gericht durchzufechten, sondern jedem Kläger eine individuelle Summe anzubieten. 10 000 Fälle sind laut VW bereits abgeschlossen, bis Jahresende sollen Einigungen mit vielen weiteren Kunden folgen.

Bleibt als größter Brocken noch eine Schadenersatzklage zahlreicher Aktionäre, die von VW in einem Musterverfahren beim Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig 9,6 Milliarden Euro verlangen. Die Anleger machen geltend, auch sie seien von Volkswagen getäuscht worden. VW weist das zurück, bezeichnet die geforderte Summe als "abwegig" und spricht von allenfalls einer Milliarde Euro. Das OLG beziffert den aktuellen Streitwert auf vier Milliarden Euro; ein Verfahrensende ist nicht in Sicht.

Was die Aktionäre eines Tages bekommen, hängt auch davon ab, wann der damalige Konzernchef Martin Winterkorn von den Abgasmanipulationen erfahren hat. Das wird allerdings in einem anderen Verfahren geklärt. Winterkorn selbst wird von Volkswagen bislang geschont. Der Konzern fordert von ihm selbst mehr als fünf Jahre nach Beginn der Abgasaffäre keinen Schadenersatz. VW spricht von einer "inzwischen weit fortgeschrittenen" Prüfung. Auf die Frage, wie das zu verstehen sei, antwortet ein Konzernsprecher: "Das ist weiter als fortgeschritten und weniger als abgeschlossen." Andere Konzerne waren in solchen Fällen viel schneller.

© SZ vom 26.09.2020

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