Feierstunde zum Mauerfall Biermann ruft: "Ist das nicht herrlich?"

Er singt ein Lied, das Freunde von ihm zu DDR-Zeiten in Haft gesungen hätten, wie er erzählt. Es heißt "Ermutigung". Ein Lied aus dem Gefängnis von damals, heute im Bundestag, sagt Biermann, und ruft: "Ist das nicht herrlich?" Als Lammert Biermann zu Beginn der Sitzung angekündigt hatte, klatschten auch die Linken, wenn auch mit etwas Verzögerung. Auch Gysi. Am Ende des Liedes klatschen einige Linke, nicht aber Gysi.

"Was ist eigentlich davon geblieben?"

Der Rest, die eigentliche Debatte zum historischen Anlass, verläuft dann wieder in geordneten Bahnen, wenngleich durchaus bewegend. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt erinnert an die Sitzung des Bundestages am 9. November 1989 in Bonn, als die Nachricht aus Berlin eintraf. Hasselfeldt ist eine von elf heutigen Abgeordneten, die damals schon im Bundestag saßen. Für die SPD spricht Iris Gleicke und gibt zu, sich heute manchmal nach der Zeit damals zu sehnen, "als sich die Deutschen in den Armen lagen". Diese Erinnerung lässt sie vor Rührung stocken, bevor sie fragt: "Was ist eigentlich davon geblieben?"

Für die Grünen erzählt Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sehr persönlich von Besuchen mit ihrem Vater, einem Tanzlehrer, in einem Jugendwerkhof - einem Erziehungslager. Dort habe sie junge Menschen getroffen, die nicht verstanden, was sie sich eigentlich zu Schulden hätten kommen lassen. Heute, so Göring-Eckardt, dürfe man sogar doof finden, was das Staatsoberhaupt sage - "dafür kommt man nicht in den Knast, sondern bekommt Zeit in der Tagesschau". Für die CDU sagte der zeitweise in der DDR inhaftierte Arnold Vaatz, der Mauerfall sei faszinierend gewesen, "aber er war noch nicht der Durchbruch". Es habe noch "härtester Arbeit bedurft", um auch die Demokratie durchzusetzen.

Auch Gysi spricht. Er würdigt "die historische Leistung aller damals Beteiligten, dass es keine Gewalt gab". Er nennt die DDR eine Diktatur, in der es schweres Unrecht gegeben habe. Aber er sagt auch, es sei später ein Fehler gewesen, dass es keine Wiedervereinigung gegeben habe, sondern formal einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Die Bundesregierung habe "nicht aufhören können, zu siegen", so Gysi. Das habe dem Selbstvertrauen der Ostdeutschen nicht geholfen. Auf einen Kommentar zu Biermanns Auftritt verzichtet Gysi und beweist damit durchaus Souveränität.