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FDP:Misere einer Männerpartei

Thomas Sattelberger

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger kämpft in der FDP für Frauenförderung. Er hat Erfahrung: Bei der Telekom führte er als Personalvorstand eine Quote ein.

(Foto: Wolfgang Maria Weber)

Einst hatte Rainer Brüderle mit Herrenwitzen noch eine Sexismusdebatte ausgelöst. Jetzt starten die Liberalen einen Vorstoß für Frauenförderung.

In der Debatte über Frauenförderung in der FDP wächst in den eigenen Reihen der Druck auf Parteichef Christian Lindner. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger, 68, der in seiner früheren Tätigkeit als Personalvorstand bei der Telekom eine Quote durchgesetzt hatte, sieht den Vorsitzenden in der Verantwortung, für eine Frauenquote zu kämpfen. Sattelberger sagte der Süddeutschen Zeitung: "Parteien, die nicht vielfältig sind, sind schlecht dran, wenn sie mit den vielfältigen Problemen umgehen müssen." Maskuline Organisationen würden maskuline Antworten geben. "Es ist in Lindners ureigenem Interesse, das zu ändern. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass er zum Schutzpatron der Frauenförderung wird." Lindner sei schließlich als "Reformer" angetreten.

Das Parteipräsidium hatte am Montag ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, um den Frauenanteil der FDP wieder zu steigern. Ende 2017 lag der Frauenanteil bei der FDP bei nur noch knapp 22 Prozent - dem niedrigsten Wert der vergangenen 30 Jahre. Bei Neumitgliedern liegt der Anteil bei knapp 19 Prozent. Mehr Männer als Frauen gaben der FDP zuletzt bei den Wahlen ihre Stimme. Sattelberger gehört nun einer Arbeitsgruppe an, die bis zum Jahresende Vorschläge prüfen soll, wie die Partei wieder attraktiver für Frauen werden kann. Die FDP will laut Präsidiumsbeschluss auch "ergebnisoffen" die Einführung einer Frauenquote prüfen. Bisher hatten die Liberalen eine solche jedoch vehement abgelehnt. Zwei der insgesamt nur drei im Präsidium vertretenen FDP-Frauen - Generalsekretärin Nicola Beer und FDP-Vize Katja Suding - gingen jedoch nach der Präsidiumssitzung mehr oder weniger deutlich auf Distanz zur Quote. Sattelberger ist davon überzeugt, dass die FDP die Debatte darüber nicht mehr los wird. Seit Jahrzehnten ringe die Partei mit sich. "Sie hat festgestellt, dass ein ,immer mehr des Gleichen' wie Mentoring-Programme und öffentliche Appelle nicht zu einer Veränderung führt. Ich würde deshalb der Partei immer empfehlen, sich in Selbstverpflichtung Ziele zu setzen, egal, ob man das nun Ziel oder Orientierungswert oder auch Quote nennt", sagte Sattelberger. "Wenn die Grünen - wie es gerade geschieht - ihre Haltung zur Gentechnologie infrage stellen, dann ist es nicht schamlos, wenn die Liberalen ihre Haltung zur Frauenquote überdenken", ermunterte Sattelberger seine Partei.

Rainer Brüderle hatte mit Herrenwitzen noch eine Sexismusdebatte ausgelöst

Sattelberger sieht Probleme in der Außendarstellung der Partei, weshalb die FDP bei Frauen nicht mehr ankomme. "Ich glaube, dass es nach wie vor der ein bisschen martialische Aufritt ist: Häufig wortgewaltig, rhetorisch mannhaft. Die Anmutung der Partei ist oft eher Posaune blasen als Reflexion." Zudem habe es die FDP versäumt herauszustellen, dass es in der Geschichte der Parteien viele einflussreiche Frauen waren, die "Weichen gestellt" hätten. "Viele Frauen wissen nicht, dass die FDP auch mal die Partei der Frauen war", sagte Sattelberger. "Sie haben nur die nächste Phase erlebt, da war die FDP die Partei der "Boy-Group", sagte er mit Blick auf die Jahre als Koalitionspartner der Union. Neben Lindner als Generalsekretär hatten die Minister Philipp Rösler und Daniel Bahr - alle in ihren Dreißigern - Führungsaufgaben inne. Der frühere Fraktionschef Rainer Brüderle hatte später mit Herrenwitzen eine Sexismusdebatte ausgelöst. "Fehlende Diversität hat dazu geführt, dass Frauen uns als eine Männer-, zum Teil als eine Jung- zum Teil als eine Altmännerpartei sehen." Beim Neuaufbau der Partei durch Lindner nach der Wahlniederlage 2013 seien die Frauen zu kurz gekommen. "Ich kann nicht ausschließen, dass dies bei der Neuaufstellung der Partei ein blinder Fleck war."

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