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Familienreport 2010:Immer mehr Frauen ernähren ihre Familien

Die Zahl der alleinverdienenden Männer nimmt ab. Der Familienreport 2010 zeigt außerdem: Fast jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut bedroht.

Jedes sechste Kind wächst mittlerweile bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Das geht aus dem Familienreport 2010 hervor, den Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) an diesem Dienstag in Berlin vorstellen wird. Der knapp 150 Seiten umfassende Bericht liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Demnach ist der Anteil der Alleinerziehenden deutlich gestiegen. Wuchsen 1998 nur in jeder siebten Familie die Kinder bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, so war dies 2008 schon in jeder fünften Familie der Fall. Laut Report ist das Armutsrisiko bei diesen Familien besonders hoch.

Ausgaben fuer Bildung, Forschung und Wissenschaft gestiegen

Familien bieten gerade in Krisenzeiten besonderen Rückhalt, besagt der Report der Bundesregierung.

(Foto: ddp)

Der Bericht, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal veröffentlicht wurde, stellt statistische Daten und Umfrageergebnisse rund um das Familienleben zusammen und wertet sie aus. Die Erkenntnisse beruhen dabei auf Studien, die so aktuell wie möglich sind, aber nicht zwangsläufig aus dem unmittelbaren Vorjahr stammen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Familien gerade in Krisenzeiten einen besonderen Rückhalt bieten. Etwa drei Viertel der Bevölkerung vertraue in schwierigen Lebenslagen auf die Hilfe der Familie, heißt es im Bericht. Bei Eltern minderjähriger Kinder seien es sogar vier Fünftel. Fast die Hälfte aller Alleinerziehenden beispielsweise nimmt für die Kinderbetreuung die Hilfe der Großeltern in Anspruch. Insgesamt stellt das Ministerium fest, dass "Alt und Jung" zusammenhalten. So verbringen Großeltern in Deutschland fast doppelt so viel Zeit mit der Kinderbetreuung wie Großeltern in skandinavischen Ländern. Umgekehrt aber helfen auch Kinder in Deutschland ihren Eltern im europaweiten Vergleich am meisten.

Der Bericht stellt zudem fest, dass die Zahl der alleinverdienenden Männer in den Familien abnimmt. Frauen tragen einen zunehmenden Anteil zum Haushaltseinkommen bei, zum Teil sind sie sogar Hauptverdienerin der Familie. So stieg der Anteil der Frauen, die mehr als 60 Prozent des Familieneinkommens erwirtschaften, in Westdeutschland von sieben Prozent im Jahr 1991 auf elf Prozent im Jahr 2006.

In Ostdeutschland stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von elf auf fünfzehn Prozent. Der Bericht weist allerdings daraufhin, dass dies nicht immer freiwillig geschah, sondern häufig auch daran lag, dass der Partner arbeitslos wurde.

67 Prozent der Frauen, aber nur 58 Prozent der Männer finden, dass beide Partner zum Haushaltseinkommen beitragen sollten. Die Untersuchung stellt zudem fest, dass die große Mehrheit der in Vollzeit beschäftigten Eltern gerne weniger, die in Teilzeit gern etwas mehr arbeiten würden.

Etwa jedes fünfte Kind unter drei Jahren wurde im März 2009 in einer Kindertageseinrichtung betreut. Das sind 53000 Kinder und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Migranten ist diese Quote allerdings deutlich geringer. Nur etwa jedes zehnte Kleinkind mit Migrationshintergrund besucht demnach eine Kindertageseinrichtung.

Kinderarmut habe "entgegen häufig anderslautenden Darstellungen" in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland nicht weiter zugenommen, besagt der Bericht. Das Niveau liege konstant bei 18 Prozent, fast jedes fünfte Kind ist also von Armut bedroht. Neben den Kindern von Alleinerziehenden sind vor allem Kinder von Familien mit Migrationshintergrund bedroht sowie Kinder, die zwei oder mehr Geschwister haben. In diesen Familien ist das Armutsrisiko mehr als doppelt so hoch wie in Familien, die nur zwei oder weniger Kinder haben.

Familienministerin Schröder sieht den Report als Beleg dafür, dass die Familienpolitik der vergangenen Jahre die richtigen Weichen gestellt hat. Die staatlichen Fördermaßnahmen hält sie für unverzichtbar. "Familienleistungen und Sozialtransfers tragen erheblich zur Reduzierung von Armutsrisiken bei", heißt es in einer schriftlichen Zusammenfassung ihres Ministeriums. "Ohne die staatlichen Leistungen wären in Deutschland etwa doppelt so viele Kinder armutsgefährdet." Das Kindergeld beispielsweise habe für mehr als 1,7 Millionen Kinder eine armutsreduzierende Wirkung.

Auch das Elterngeld ist aus Sicht der Ministerin ein Erfolg. 2009 nahm jeder fünfte Vater Partnermonate. Vor allem Väter in Führungspositionen seien stark vertreten. Derzeit erhalten Mütter und Väter bis zu 14 Monate lang 67 Prozent des Nettolohns, mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro. Schröder würde die 14 Monate gern auf 16 Monate verlängern, steht aber, wie alle Minister, unter enormen Druck, im Etat zu sparen.