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Evangelische Kirche:Bedford-Strohm kandidiert nicht mehr

EKD-Vorsitzender Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm wird dem Leitungsgremium der evangelischen Kirche nur noch bis November 2021 vorsitzen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der Ratsvorsitzende der EKD will Platz für eine neue Leitfigur machen - und sich auf andere lieb gewonnene Tätigkeiten konzentrieren.

Von Annette Zoch, München

Seit sechs Jahren ist Heinrich Bedford-Strohm das Gesicht und die prägende Stimme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Noch einmal will er aber nicht für den Ratsvorsitz der EKD kandidieren, sagte er jetzt dem Bayerischen Rundfunk. Amtsmüde sei er nicht, betonte Bedford-Strohm: "Ich werde dieses Amt auch im kommenden Jahr mit großer Lust und ganzer Kraft ausüben." Aber wenn die Synode dann im Herbst 2021 ein neues Leitungsgremium wählt, wird sein Name bei den Kandidaten für den Vorsitz fehlen: "Es ist gut, wenn dann jemand Neues rankommt, neue Akzente setzt, neue Impulse gibt." Bis 2023 dauert noch seine Amtszeit als bayerischer evangelischer Landesbischof - "mit voller Kraft" wolle er sich in den dann verbliebenen zwei Jahren für dieses Amt einsetzen.

Bedford-Strohm ist Sozialethiker, immer wieder mischt er sich in politische Debatten ein. Seine SPD-Mitgliedschaft ruht für die Dauer seines Bischofsamts. Zuletzt setze er sich besonders für Geflüchtete und die Seenotrettung ein. In seiner Amtszeit ersteigerte das von der EKD gegründete Bündnis "United4Rescue" ein ehemaliges Forschungsschiff, das im Sommer als Sea Watch 4 in See stach. Italienische Behörden halten es derzeit in Palermo fest.

Für sein Engagement erhielt Bedford-Strohm viel Zuspruch - und Morddrohungen. Nicht deshalb höre er als Ratsvorsitzender auf, er habe gewusst, dass er Kritik ernten werde. "Und in diesen Zeiten heißt das auch, dass sie manchmal heftig ist oder manchmal auch unter der Gürtellinie. Da habe ich schon meine inneren Ressourcen, um damit umzugehen." Bedford-Strohm ist selbst in sozialen Medien sehr präsent. Während des Shutdowns im Frühjahr begann er, jeden Morgen im Englischen Garten in München mit dem Handy Videobotschaften aufzunehmen und auf Facebook zu stellen.

Gerade mal 60 ist er, könnte also durchaus nochmal als EKD-Chef kandidieren. Lieber aber möchte Bedford-Strohm nach 2023 wieder an die Universität zurück. Zuletzt war er Professor für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen in Bamberg. Er stammt aus einer Familie von Pfarrern und Theologen, studiert hat er in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA). Seine amerikanische Ehefrau, die Psychotherapeutin Deborah Bedford-Strohm, lernte er schon als Teenager kennen, sie kam als Austauschschülerin nach Deutschland. Sie haben drei Söhne und einen Enkel. Auch für sein Privatleben will Bedford-Strohm wieder mehr Zeit haben.

Dank seiner amerikanischen Familie war Bedford-Strohm es schon vor Corona gewohnt, per Videochat Kontakt zu halten. Trotzdem ist er gegen erneute Gottesdienstverbote: "Ich glaube, dass die Kirchen gezeigt haben, dass sie mit der Situation sehr verantwortungsvoll umzugehen wissen", sagte er. Für die EKD ist der Rückzug ihres Ratsvorsitzenden ein Einschnitt in schwieriger Zeit: Die Pandemie hat auch der Kirche zugesetzt, das Geld wird knapp. Bei der virtuellen EKD-Synode in wenigen Tagen soll auch über einen Sparkurs diskutiert werden. Nun kommt die Debatte über Bedford-Strohms Nachfolge hinzu: Als Kandidatinnen werden unter anderen die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs gehandelt und Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Aber bis November 2021 ist noch viel Zeit.

© SZ/skle
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