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Europäische Zentralbank:Ein bisschen weniger ist zu wenig

Mario Draghi flutet die Märkte auch 2017 mit billigem Geld. Das ist schlecht für die EU.

Gelassener als erwartet nahmen die Börsen den Abgang des italienischen Reformers Matteo Renzi hin. Die Ruhe verdankt sich einem Italiener. Aber der sitzt nicht in Rom, sondern in Frankfurt: Die Anleger hoffen, EZB-Chef Mario Draghi werde Panik wegen Europas viertgrößter Volkswirtschaft und ihrer maroden Banken schon irgendwie verhindern. Wie zur Bestätigung kündigt Draghi an, die Märkte auch 2017 mit billigem Geld zu fluten. Alles gut in der Euro-Zone?

Nein. Draghis Milliardenspritzen pumpen eine Preisblase bei Aktien und Immobilien auf. Der Dax erklimmt Rekorde, Wohnungen in deutschen Großstädten werden unbezahlbar. Als in der Finanzkrise 2008 eine Preisblase platzte, stürzte die Welt in die tiefste Rezession seit zwei Generationen. Schon klar, Draghis Kurs erleichtert dem zweitgrößten Euro-Schuldenmacher Italien das Überleben. Aber mit der Nebenwirkung, dass die Bürger des Landes keinen großen Reformdruck empfinden. Das ist verkehrt: Seit Dekaden wächst kein Mitglied der Währungsunion so anämisch. Nicht mal die Gefahr ökonomisch schädlicher fallender Preise taugt noch lange als Argument für Draghis Geldflut: Mit dem Ölpreis beginnt sich die Inflation zu normalisieren.

Sieht der EZB-Chef gar nicht ein, in welche Stromschnellen er Europa steuert? Doch, er reduziert die Geldflut von Frühjahr an. Ein bisschen. Ein bisschen aber ist angesichts der Risiken zu wenig.

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