Erster Zensus seit 1987 Volkszählung verunsichert Bürger

Zum Stichtag 9. Mai soll erstmals die genaue Einwohnerzahl des wiedervereinigten Deutschlands ermittelt werden. Zahlreiche Bürger sind verwirrt - manche Hotline bricht sogar zusammen, wie die SZ erfuhr. Dass es eine Auskunftspflicht gibt, ist vielen nicht bewusst.

Von Sebastian Beck

Die erste Volkszählung in Deutschland seit 1987 verunsichert viele Bürger. In Hessen brach am Freitag die Hotline des Statistischen Landesamtes unter dem Ansturm der Anrufer zusammen. Auch in anderen Bundesländern wandten sich Tausende mit ihren Fragen an die Behörden.

Mit der Volkszählung soll zum Stichtag 9.Mai erstmals die genaue Einwohnerzahl des wiedervereinigten Deutschlands ermittelt werden. Hierfür werden die Daten aller Bürger aus den Städten und Gemeinden sowie aus dem Register der Bundesagentur für Arbeit zusammengeführt. Außerdem müssen sämtliche Haus- und Wohnungseigentümer Fragebögen beantworten.

Diese werden bereits seit einigen Tagen in Tranchen verschickt - alleine in Bayern sind es 3,8 Millionen Vordrucke. Zusätzlich schwärmen von nächster Woche an Volkszähler aus, die zehn Prozent der Bevölkerung im Rahmen einer Stichprobe nach ihren Lebensumständen befragen sollen. Dafür haben sie mehrere Wochen Zeit.

Bei vielen Bürgern sorgt das dreiteilige Verfahren offensichtlich für Verwirrung. So wandten sich am Donnerstag alleine in Hessen 11.000 Bürger telefonisch an das Statistische Landesamt. "Wir bewältigen das einfach nicht mehr", sagte der stellvertretende Amtschef Günter Grün der Süddeutschen Zeitung. Ein Grund dafür ist, dass in Hessen die Fragebögen von einem Unternehmen mit Sitz im bayerischen Bamberg ausgewertet werden. Dessen Adresse auf den Rücksende-Kuverts machte Bürger misstrauisch, zumal in Nordhessen gefälschte Fragebögen zirkulierten.

In Baden-Württemberg wurden am Donnerstag 5530 Anrufer gezählt, in Bayern 2057. Auch aus dem Bundesamt für Statistik in Wiesbaden hieß es, der Andrang sei enorm. Die Behörden rechnen damit, dass die Zahl der Anrufer nächste Woche noch einmal steigen wird. Darauf sei man vorbereitet, sagte Karlheinz Anding, der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Statistik.

Viele Anrufer wussten nicht, dass bei der Volkszählung eine gesetzliche Auskunftspflicht besteht. Alle Fragen müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wer sich weigert, muss mit einem Zwangsgeld von 300 bis 500 Euro rechnen. Einzige Ausnahme ist die Frage nach der Glaubensrichtung, deren Beantwortung freiwillig ist.

Die Statistiker wollen so herausfinden, wie viele Muslime in Deutschland wohnen, weil hierzu noch keine genauen Daten vorliegen. Grüne, FDP, aber auch der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, kritisierten die Frage nach der Religion als unzulässig.

Vorbehalte gibt es auch gegenüber den ehrenamtlichen Volkszählern. Offenbar befürchten viele Menschen, dass bei ihnen Betrüger an der Tür klingeln. Die Statistischen Landesämter weisen deshalb darauf hin, dass die Interviewer sowohl einen Dienst- als auch einen Personalausweis mit sich führen. Vor einem Besuch verschicken sie einen Terminvorschlag.

Das Betreten der Wohnung ist den Volkszählern nur erlaubt, wenn sie dazu eingeladen werden. Wer die Fragen nicht persönlich beantworten will, der darf dies im Internet (www.zensus2011.de) tun oder auf vorgedruckten Formularen. Das Porto für die Rücksendung in Höhe von 1,45 Euro müssen die Bürger aber selbst bezahlen - das war eine der häufigsten Fragen an die Mitarbeiter der Hotlines.