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Ermittlungen zur Nazi-Terrorzelle:Bundesanwaltschaft durchsucht Büro von NPD-Abgeordnetem

Bisher wurde er nur als Zeuge vernommen, doch in Schwerin hat das Bundeskriminalamt das Büro des NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit durchsucht. Ein Brief der Terrorzelle NSU deutet auf eine Verbindung zu dem Abgeordneten hin, Petereit bestreitet jedoch jede Komplizenschaft.

Im Zuge der Ermittlungen zur Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ist der Landtagsabgeordnete der rechtsextremen NPD in Mecklenburg-Vorpommern, David Petereit, ins Visier der Behörden geraten. Sein Abgeordnetenbüro wurde am Donnerstag durchsucht, wie ein Parlamentssprecher mitteilte. Grundlage für die Aktion sei eine Anordnung des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofes gewesen.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft durchsuchten Mitarbeiter der Behörde und des Bundeskriminalamtes auch Wohnungen und weitere Büroräume des Rechtsextremen. In einer der Wohnungen sei ein Exemplar eines NSU-Briefes gefunden worden. Die Vorlage dafür befinde sich auf einem Datenträger, der aus der letzten Wohnung der NSU-Mitglieder in Zwickau stamme. Der Brief werde jetzt kriminalwissenschaftlich untersucht und ausgewertet.

Laut Bundesanwaltschaft liegen bisher keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass der Landtagsabgeordnete die terroristische Vereinigung unterstützt haben könnte. Er sei als Zeuge vernommen worden. Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft war Petereit von Mai 2001 bis 2005 Herausgeber der bei Neonazis populären Zeitschrift Der Weisse Wolf.

Dem unter Experten als seriös geltenden Antifaschistischen Pressearchiv Apabiz zufolge wurde der NSU darin bereits 2002 erwähnt. "Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen ;-) Der Kampf geht weiter", stand im Vorwort der ersten Ausgabe des Jahres. Die Öffentlichkeit wusste zu jener Zeit noch nichts von den Rechtsterroristen.

In einer schriftlichen Mitteilung streitet Petereit jedoch jede Verantwortung ab. Er habe die Zeitschrift erst ab einer späteren Ausgabe presserechtlich betreut.

Der NSU soll bundesweit zehn Morde begangen haben. So wird die Gruppe für die Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Unternehmern und an einer Polizistin verantwortlich gemacht. Die Ermittler kamen den mutmaßlichen Tätern Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe jahrelang nicht auf die Spur.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/sks/olkl
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