Entwicklungshilfe Eigene Ideen statt Fremdförderung

Entwicklungshilfe, ob sie nun den Empfängern nutzt oder nicht, ist leider positiv besetzt, sodass die Verantwortlichen ganz offensichtlich nicht bereit sind, etwas zu unternehmen. Das Afrikabild wird immer mehr von den sich selbst erhaltenden Hilfswerken geprägt.

Mehr als je zuvor wäre es dringend nötig, die gesamte Entwicklungshilfe auf den Prüfstand zu stellen, doch sollte man das endlich ideologiefrei, unvoreingenommen und ohne politische Vorgaben wirklich unabhängigen Fachleuten überlassen. Man würde dann vielleicht merken, dass Entwicklungshelfer in der Vergangenheit den Afrikanern die Fähigkeit zum eigenen Engagement abgewöhnt haben.

Afrika braucht starke Persönlichkeiten mit Selbstbewusstsein und dem Willen zu handeln. An erster Stelle sollten eigene Ideen und nicht die Fremdförderung stehen. Hilfe sollten nur noch Länder bekommen, die sich nachweislich anstrengen, ihre Schwierigkeiten selbst zu beseitigen. Wir sollten endlich umdenken und künftig nur noch dort Hilfe leisten, wo sich Regierungen ihren Bevölkerungen verpflichtet fühlen und wo Förderung der Bildung und Ausbildung absoluten Vorrang hat. Dann sollten Wege für zeitlich begrenzte Hilfen beschritten werden.

Wann hören wir endlich auf Afrikaner wie den südafrikanischen Wirtschaftswissenschaftler Themba Sono? Er sagt: "Die afrikanischen Länder haben bisher stets eine Politik der Sammelbüchse betrieben und immer nur gebettelt: mehr Hilfe, mehr Hilfe, mehr Hilfe. Genau das muss sich ändern, kann sich aber nicht ändern, solange die großen Länder selbst die Bedeutung der Entwicklungshilfe betonen." Und wir müssen uns eines Tages fragen lassen, warum wir wider besseres Wissen die korrupten alten Männer, die teils jahrzehntelang Macht und Kontrolle über die Bevölkerungen hatten, so lange unterstützt haben.

Volker Seitz, 70, war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das Auswärtige Amt tätig, davon 17 Jahre in Afrika, zuletzt als Botschafter in Kamerun.