Edathy versus Hartmann:Das entgegnet Hartmann den Vorwürfen

Und was sagt Hartmann dazu? Der streitet alles ab. Er habe sich um Edathy in der Zeit ab November bis Januar gekümmert, weil ihm aufgefallen sei, dass es Edathy schlecht gehe. Nie aber habe er mit Edathy aus eigenem Wissen über den Verdacht gesprochen, kinderpornografisches Material gekauft zu haben. Mit Ziercke habe er nie darüber gesprochen. Mit anderen auch nicht, sondern immer nur über den Gesundheitszustand Edathys. Einmal muss Hartmann sogar innehalten, als er berichtet, wie er Edathy mal wieder in einem besonders schlechten Zustand begegnet sei.

An keine SMS kann Hartmann sich erinnern

Das war es aber auch schon mit der Anteilnahme. Er wolle und könne jetzt "keine Zurückhaltung" mehr zeigen. ‪Edathy sei "unkollegial" gewesen, packt er aus. Sie seien nicht befreundet gewesen. Edathy habe Alkoholprobleme gehabt, habe neben sich gestanden. Also alles, was die Glaubwürdigkeit Edathys erschüttern müsste.

Hat er denn den Eindruck, dass Edathy, wenn nicht ihn, dann einen anderen Informanten gehabt haben könne? Hartmann verneint. Interessant, findet Frank Tempel von der Linken. Hartmann war nämlich selbst Mitglied im Innenausschuss des Bundestages, der den Fall Edathy in einem ersten Anlauf versucht hatte aufzuklären. Und da hat er erstaunlicherweise kein Wort über die Erkenntnis verloren, dass nach seinem Eindruck kein Informant im Spiel gewesen sei. Er hätte einiges an "Verschwörungstheorien beenden können", sagt CDU-Mann Armin Schuster. Hartmann begründet sein Schweigen damit, dass er nicht geglaubt habe, etwas zur Aufklärung beitragen zu können.

Auch zu den zwölf Seiten SMS-Verkehr zwischen ihm und Edathy, die Edathy dem Ausschuss mitgebracht hatte, konnte er nichts sagen. Der "Duktus der ein oder anderen SMS scheint authentisch zu sein", sagt er. Ob die aber vollständig seien, kann er nicht sagen. Das sei aber "nicht unplausibel". So schwammig, so vage, dass er da nicht zu packen ist. An keine der SMS, die ihm vorgelegt werden, kann er sich konkret erinnern.

Wer ihm viel Gutes will, der schiebt es auf die Uhrzeit. Nach knapp zwölf Stunden beendete der Ausschuss seine Arbeit erst gegen ein Uhr in der Nacht.

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