Dschibuti Einer der heißesten Flecken der Welt

Dschibuti am Horn von Afrika wird wahrscheinlich Stützpunkt der deutschen Marinesoldaten - aber auch Kenia und Somaliland sind im Gespräch

Von Michael Bitala

(SZ vom 03.01.2002) Nairobi - Es ist eine Fahrt ohne genaues Ziel - vorerst zumindest. Als am Mittwochnachmittag in Wilhelmshaven der größte Einsatz der deutschen Marine seit dem Zweiten Weltkrieg begann, wussten die etwa 750 entsandten Berufs- und Zeitsoldaten nur grob, wohin die Reise gehen wird. Sie werden drei Wochen unterwegs sein, bis sie am Horn von Afrika ankommen, genauer gesagt, im Golf von Aden vor der Küste Somalias. Dort sollen sie mit zwei Fregatten und vier Versorgungsschiffen und später noch mit vier Schnellbooten die Seewege sichern und "Nachschub und Fluchtwege terroristischer Organisationen unterbrechen". Das ist bekannt, das ist der Auftrag, den die Marine von der Bundesregierung bekommen hat.

Bis zu 1800 Soldaten können laut Bundestagsbeschluss an das Horn von Afrika entsendet werden, das ist das größte Kontingent seit Bestehen der bundesdeutschen Seestreitkräfte. Doch nach wie vor gibt es keine offizielle Bestätigung, welchen Hafen die Flotte anlaufen wird. Dschibuti, Berbera in Somaliland und auch Mombasa in Kenia sind im Gespräch. Zur Versorgung der Truppe muss die Marine über einen Hafen und einen nahe gelegenen Flughafen verfügen, damit der Nachschub gesichert ist.

Das Ziel ist wahrscheinlich der Hafen von Dschibuti. Dort waren schon Anfang Dezember 17 Mitglieder einer deutschen Militärdelegation, um die Stationierung vorzubereiten. Das Land, das gerade mal über eine Fläche von knapp 22000 Quadratkilometern verfügt und in dem überwiegend somalische und äthiopische Nomaden leben, gilt als einer der heißesten Flecken der Welt. Es besteht fast nur aus Sand- und Steinwüsten sowie Dornbuschsteppen. Temperaturen von mehr als 50 Grad sind in den Sommermonaten keine Seltenheit. Es gibt deshalb auch immer wieder Berichte, wonach französische Soldaten bei Ausflügen an die beiden großen Salzseen des Landes von der Hitze getötet wurden. Frankreich ist auch heute noch für die äußere Sicherheit des Landes zuständig. Auf der Grundlage eines zeitlich unbefristeten "Ausbildungsvertrages" hat die ehemalige Kolonialmacht dort etwa 3500 Soldaten stationiert. Außerdem zahlt Frankreich den Großteil der Verteidigungsausgaben Dschibutis. Gerade deshalb gab es in der Vergangenheit viele Spekulationen darüber, dass sich die Deutschen einen anderen Versorgungshafen suchen müssten. Im benachbarten, aber international nicht anerkannten Somaliland gibt es ebenfalls einen Tiefseehafen und einen Flughafen mit der zweitlängsten Startbahn Afrikas. Die dortige Küstenstadt Berbera erscheint auch durchaus geeignet - eine deutsche Delegation hat sich diesen Ort vor kurzem angesehen - aber Somaliland gilt als höchst unwahrscheinliches Ziel, da die Bundesrepublik sicherlich nicht den ersten Schritt machen wird, diese autonome und seit Jahren friedliche somalische Republik völkerrechtlich anzuerkennen. Das aber wäre die Voraussetzung für einen Einsatz in Berbera.

In den vergangenen Tagen hieß es aus diplomatischen Kreisen in Kenias Hauptstadt Nairobi, dass die Bundesmarine den Hafen in Dschibuti sicherlich nutzen wird, da sie das Gebiet von früheren Manövern her kennt. Doch da bis zu 1800 Soldaten erwartet werden, könnte der Stützpunkt schnell zu klein werden. Deshalb sei es höchst wahrscheinlich, dass ein Teil des deutschen Militärs auch den kenianischen Hafen Mombasa anlaufen werde, hieß es. Dort ankern bereits Kriegsschiffe der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien, und auch amerikanische Soldaten sind seit den Anschlägen in New York und Washington dort stationiert.

Dem kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi wäre die deutsche Truppenpräsenz durchaus recht. Durch die Bereitstellung des Hafens in Mombasa erhofft sich seine Regierung internationale Finanzhilfen. Kenia ist eines der korruptesten Länder der Erde, die Weltbank und der Internationale Währungsfond haben seit langem ihre Hilfen eingestellt.