FDP:"Ein exzellenter Finanzfachmann"

Als Pro Logo im vergangenen Jahrzehnt das Sponsoring der FDP übernahm, stieg Schlottmann dort ein. Dank seines Vetorechts als Mitgesellschafter kann er den ungehinderten Zugriff des FDP-Vorstands auf die Kasse von Pro Logo unterbinden. Schlottmann kann verhindern, dass kurzfristige Wahlkampf-Ausgaben die Parteifinanzen langfristig gefährden. Ein Mitglied einer konkurrierenden Partei und Vertrauter eines bedeutenden Industriellen als Bollwerk gegen den FDP-Vorstand, das dürfte eine in der deutschen Parteienlandschaft ziemlich einmalige Konstruktion sein.

Suchtbekaempfung: Kneipen sollen auf Spielautomaten verzichten

Die guten Beziehungen zwischen Glücksspiel-Unternehmer Gauselmann und der FDP bestehen schon seit drei Jahrzehnten. Nicht alle in der Partei freut das. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, wollte die Auflagen für Spielhallen verschärfen, wurde aber zurückgepfiffen.

(Foto: dapd)

Dass Schatzmeister Solms das nicht kommentiert, ist verständlich. Was soll er schon sagen, ohne Parteichef Guido Westerwelle zu verärgern oder ihn gar bloßzustellen? Über Schlottmanns Rolle bei Pro Logo äußert Solms nur Allgemeines. Der Gauselmann-Vertraute sei ein "exzellenter Finanzfachmann", der auf eine "ordentliche Rendite" achte. Es sei eine "strategische Entscheidung" gewesen, ihn als Mitinhaber aufzunehmen.

Schlottmann selbst nimmt nicht Stellung. Dass der Gauselmann-Vertraute CDU-Mitglied ist, hat die FDP übrigens erst durch die Süddeutsche Zeitung erfahren. Dabei hätte ein Blick ins Internet genügt: Die CDU Espelkamp weist ihn als Beisitzer im Ortsvorstand aus. Schlottmann spendet auch gerne an seine eigene Partei, wie Gauselmann erzählt. Das dürfte dem Finanzexperten, seit er bei Pro Logo ist, noch leichter fallen als früher. Auskünften der FDP zufolge soll Schlottmann seit 2005 mehr als 100.000 Euro an Gewinn-Anteilen kassiert haben.

Für die FDP ist das zu verschmerzen, sie hat sich mit Pro Logo eine neue Geldquelle erschlossen. Die Agentur kauft der Partei Vermarktungsrechte an deren Veranstaltungen ab und zahlt gut dafür. Pro Logo veräußert diese Rechte an Firmen, die bei Parteitagen und -festen für sich werben. Das bringt jährlich mehr als eine Million Euro. Die Kosten für das Sponsoring können die Firmen beim Fiskus anschließend als Betriebsausgaben geltend machen. Besonders intensiv nutzen das Gauselmann und seine Branche. Sie sind seit 2005 bei 14 FDP-Veranstaltungen als Sponsoren aufgetreten.

Schatzmeister Solms sagt, die FDP sei aus Überzeugung und nicht wegen des Geldes aus Espelkamp für liberale Freiräume für die Automatenbranche. Das Land brauche die Spielhallen, "in gesetzlich engen Grenzen", weil sonst illegale Spielhöllen entstünden. Nicht alle Liberalen sehen das so. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, will Automaten aus Gaststätten verbannen und die Auflagen für Spielhallen drastisch verschärfen. Doch kaum war Dyckmans kürzlich damit vorgeprescht, da wurde sie von führende Liberale zurückgepfiffen. Es gebe "intelligentere Lösungen" als Aufstellverbote.

Solms hat Gauselmann mal für ein Betriebsjubiläum Parteichef Westerwelle als Redner besorgt. Und bei einem seiner Besuche in Espelkamp hat der Schatzmeister versprochen, die Liberalen würden alles tun, um eine neue Automaten-Steuer zu verhindern. Solms hielt Wort. Auf wahre Freunde ist Verlass.

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