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Den Haag:Prozess gegen Dschihadisten

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen islamistischen Extremisten aus Mali begonnen. Al Hassan Ag Abdul Assis Ag Mohammed Ag Mahmud trug am Dienstag eine Gesichtsmaske und ein weißes Kopftuch, als er vor Gericht in Den Haag erschien ). Ihm werden Verbrechen wie Vergewaltigung, Folter, Zwangsverheiratungen und sexuelle Versklavung vorgeworfen. Demnach war Al Hassan ein wichtiges Mitglied der al-Qaida-nahen Miliz Ansar Dine, die 2012 die historische Wüstenstadt Timbuktu überrannt hatte. Der vorsitzende Richter Antoine Kesia-Mbe Mindua sagte, Al Hassan werde vorgeworfen, innerhalb der Religionspolizei von Ansar Dine täglich Macht und Kontrolle ausgeübt zu haben. Unter dem Regime von Ansar Dine erlebten die Anwohner von Timbuktu nach Angaben der Anklage öffentliche Auspeitschungen und Amputationen. Al Hassans Verteidigerin Nicoletta Montefusco beantragte eine Begutachtung ihres Mandanten durch Experten für psychische Gesundheit. Er leide möglicherweise unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und sei nicht in der Lage, dem Verfahren zu folgen. Das Anwaltsteam habe Al Hassan wegen der Corona-Krise vier Monate lang nicht von Angesicht zu Angesicht sprechen können. Nun nach einem Wiedersehen sei das Team wegen dessen Zustand "alarmiert".

© SZ vom 15.07.2020 / dpa
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