Demonstrationen in der Türkei Erdogan bestraft kritische Architekten

Die Proteste im Istanbuler Gezi-Park entzündeten sich an einem Bauprojekt. Besonders laut demonstrierte die türkische Architektenkammer gegen die Pläne. Jetzt rächt sich Ministerpräsident Erdogan an den Kritikern.

Die türkische Kammer der Architekten gehört seit Beginn der Proteste gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu den heftigsten Kritikern der geplanten Bebauung des Gezi-Parks. Im Park und auf dem angrenzenden Taksim-Platz im Herzen Istanbuls demonstrieren seit Juni Zehntausende Menschen gegen die Politik des Premiers.

Jetzt hat die Regierungspartei AKP mit einem drastischen Schritt auf die Kritik an den Bauplänen geantwortet. In einer Nachtsitzung beschnitt das Parlament der Website National Turk zufolge die Rechte der Kammer. Demnach darf der Architektenverband künftig nicht mehr mitreden, wenn es um stadtplanerische Projekte geht.

Kritik kam von der Oppositionspartei CHP. Parteivize Akif Hamzacebi sprach von einer Hexenjagd und warf der Regierung vor, die Gesellschaft zu spalten. Die AKP verteidigte ihr Vorgehen. Der Abgeordnete Mustafa Elitas versicherte, die neue Regelung diene dem Wohle der türkischen Architekten.

Zahl der Toten steigt

Die Zahl der Toten bei den seit Wochen andauernden Protesten stieg unterdessen auf mindestens fünf. Mehr als einen Monat nach einer Demonstration in der westanatolischen Stadt Eskisehir starb ein 19-Jähriger dort am Mittwoch im Krankenhaus an seinen Kopfverletzungen, wie örtliche Medien berichteten. Der Student war bei der Demonstration vor der Polizei davongerannt und von einer Gruppe unbekannter Männer angegriffen worden. Festgenommen wurde niemand.

Bei den bisherigen Opfern handelte es sich um einen 20-Jährigen, der getötet wurde, als in Istanbul ein Auto in eine Demonstration raste. Ein 22-Jähriger Demonstrant in Antakya starb nach einem Schlag auf den Kopf. In Ankara wurde ein 26-Jähriger durch einen Kopfschuss getötet, den ein Polizist abgefeuert haben soll. In Adana kam außerdem ein Polizist ums Leben, nachdem er Medienberichten zufolge bei der Verfolgung von Demonstranten von einer Brücke stürzte.