Neonazi-Treffen in Apolda Rechte werfen Steine auf Polizisten, acht Beamte verletzt

Ein Besucher wird vor Beginn des Rechtsrock-Konzerts in Apolda von der Polizei kontrolliert.

(Foto: Sebastian Haak/dpa)
  • Bei einem Rechtsrock-Konzert in Thüringen wurden acht Polizisten verletzt, weil Steine und Flaschen flogen.
  • Die Polizei löste die Veranstaltung auf und begründete das mit massiven Ausschreitungen.
  • Anwohner, Verbände und Parteien demonstrierten vor Ort gegen das Rechtsrock-Konzert, das wegen Protesten sogar verlegt worden war.

Bei einem Rechtsrock-Konzert im thüringischen Apolda ist es am Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben warfen Rechte Steine und Flaschen auf Beamte. Auch von Hausdächern sollen Flaschen geflogen sein. Mindestens acht Polizisten wurden leicht verletzt; waren aber weiter dienstfähig. Die Polizei löste das Konzert auf. Als Grund nannte sie "massive Ausschreitungen und Angriffe der Versammlungsteilnehmer gegenüber der Polizei". Gleichzeitig erklärte auch der Veranstalter das Treffen für beendet. Etwa 700 Rechte waren zu dem Konzert gekommen.

Ursprünglich sollte das Konzert unter dem Motto "Rock gegen Überfremdung III" bereits am Freitagabend in Magdala, knapp 20 Kilometer südlich von Apolda, starten. Das Konzert wurde aber durch eine Gerichtsentscheidung am Freitagnachmittag untersagt. Die Gemeinde hatte vor Gericht ein Nutzungsverbot für den einzigen Zufahrtsweg zu dem Konzertgelände durchgesetzt. Daraufhin wurde die Veranstaltung nach Apolda verlegt.

Diese Ausweichveranstaltung war möglich, weil der Konzertveranstalter bereits im Vorfeld dort eine politische Veranstaltung angemeldet hatte. Begleitet wurde das Neonazi-Treffen am Freitagabend von Gegenprotesten aus dem "bürgerlichen Spektrum" mit insgesamt rund 200 Menschen, wie die Polizei mitteilte. Organisiert wurden diese vom Bündnis "Buntes Weimarer Land". Am Samstag gingen dann in Apolda die Proteste gegen die Rechtsextremisten weiter.

An einem Gottesdienst am Morgen in der voll besetzten evangelischen Martinskirche nahmen rund 150 Menschen teil, unter anderem Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Innenminister Georg Maier (SPD) und Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). Es folgten weitere Friedensandachten im Zwei-Stunden-Rhythmus sowie Protestumzüge durch die Innenstadt. Außerdem beteiligten sich Parteien und Initiativen mit einigen Ständen an den Protesten.

In Thüringen fanden in den vergangenen Monaten immer wieder größere Rechtsrockkonzerte statt, nicht zuletzt wegen der verkehrsgünstigen Lage. Bisher stand die Kleinstadt Themar im Landkreis Hildburghausen besonders im Fokus. Dort versammelten sich im vergangenen Sommer bis zu 6000 Neonazis. Versuche der Landesregierung, für derartige Veranstaltungen höhere juristische Hürden zu errichten, scheiterten bisher vor den Verwaltungsgerichten. Denn die Konzerte werden häufig als politische Veranstaltungen angemeldet, es gilt dann die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit.

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