Datenschutz:Code der Freiheit

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Das FBI will an Daten gelangen, die auf dem iPhone des Attentäters von San Bernardino gespeichert sind. Doch Apple weigert sich, das Gerät zu knacken - und verweist auf den Schutz der Privatsphäre.

Von Helmut Martin-Jung

Was steht in den Textnachrichten auf Syed Rizwan Farooks iPhone? Welche Fotos sind darauf gespeichert, welche weiteren Hinweise könnten die Ermittler des FBI darauf finden? Syed Rizwan Farook, das ist der Mann, der am 2. Dezember vergangenen Jahres zusammen mit seiner Frau Tashfeen Malik bei einer Weihnachtsfeier in San Bernardino, Kalifornien, 14 Menschen erschossen hat, bevor die beiden selbst im Kugelhagel der Polizei starben.

Doch die mächtige Bundespolizei scheitert an mickrigen vier Ziffern. Die Ermittler müssten sie kennen, um das Handy zu entsperren. Ihr Problem: Gäben sie zehnmal hintereinander eine falsche Kombination ein, würden auf dem iPhone alle persönlichen Daten unwiederbringlich zerstört. Und es nützt auch nichts, die Daten einfach in ihrer Rohform herunterzukopieren. Denn sie sind verschlüsselt - und somit Datensalat, mit dem keiner etwas anfangen kann.

Helfen kann nur Apple. Die Firma könnte eine Version der Betriebssoftware iOS schreiben, die es den Ermittlern möglich machen würde, alle 10 000 möglichen Ziffernkombinationen auszuprobieren. Und zwar ohne jene Eingabeverzögerung, die eintritt, wenn dreimal hintereinander ein falscher Code eingegeben wurde. Genau dazu hat Magistratsrichterin Sheri Pym Apple jetzt auch aufgefordert. Fünf Tage Bedenkzeit gab die Richterin dem Konzern.

Doch die Antwort kam prompt. "Eine Version von iOS zu entwickeln, die Sicherheitsmaßnahmen auf diese Weise umgeht, würde unleugbar eine Hintertür öffnen", schrieb Apple-Chef Tim Cook in einem langen Statement auf der Webseite des Unternehmens. "Auch wenn die Regierung argumentiert, dass diese nur in diesem einen Fall angewendet werde", heißt es darin, "besteht keine Möglichkeit, eine solche Kontrolle zu garantieren."

Es ist nicht der erste Fall, in dem die US-Behörden mit Unternehmen aus der IT-Branche aneinandergeraten. Der Software-Hersteller Microsoft etwa lässt zurzeit gerichtlich klären, ob er auch Daten europäischer Kunden herausrücken muss, wenn er per Durchsuchungsbeschluss dazu aufgefordert wird. Das Unternehmen lässt sogar ein Rechenzentrum in Deutschland treuhänderisch von der Telekom-Tochter T-Systems betreiben. Und das alles nur, um deutschen Kunden garantieren zu können, dass ihre Daten vor dem Zugriff der US-Behörden sicher seien.

Apple geht aber noch einen Schritt weiter. Was das FBI fordere, "würde genau die Rechte und die Freiheit unterminieren, welche die Regierung beschützen soll", schreibt Cook. Das FBI beziehe sich bei seiner Forderung in noch nie da gewesener Weise auf ein Gesetz aus dem Jahr 1789. Wenn die Regierung dieses Gesetz nutzen könnte, um das Entsperren eines iPhones zu erleichtern, "könnte sie dieses Eindringen in die Privatsphäre erweitern und verlangen, dass Apple auch Überwachungssoftware etwa für Gesundheits- oder Finanzdaten entwickelt", so Cook.

Wie die Sache ausgeht, ist offen. Bleiben beide Parteien hart, wird es wohl zu einem Gerichtsverfahren kommen. Sein Ausgang wird eine der Wegmarken sein in der Auseinandersetzung darüber, wie privat persönliche Daten künftig noch sein dürfen.

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