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Das amerikanisch-saudische Verhältnis:"Wie haben die Nase voll"

"Turki - und mit ihm Saudi-Arabien - haben die Nase voll von den USA", interpretierte Richard Cohen die Formulierungen des Prinzen in einem Kommentar für die Zeitung.

Muslims one day before Ascension of Prophet Mohammed commemoratio

Vor wenigen Jahren strategisch für unmöglich gehalten: Saudi-Arabien stellt den USA politische Forderungen. Ein Palästinenserstaat soll endlich entstehen.

(Foto: dpa)

Der Prinz hatte die vorausgegangene Nahost-Rede von US-Präsident Barack Obama als "umstritten" bewertet. Er fand es "bedrückend", dass dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu vor einem beifallklatschenden Kongress gestattet worden sei, die Grundrechte der Palästinenser in Frage zu stellen.

"Für die Palästinenser ist die Zeit gekommen, an den USA und Israel vorbei die direkte internationale Bestätigung ihrer Staatlichkeit zu suchen", schrieb Prinz Turki. "Das Königreich wird im September seine ganze diplomatische Macht zur Unterstützung der palästinensischen Ansprüche auf Anerkennung nutzen." Saudi-Arabien werde darin von den anderen arabischen Staaten und von einer großen Mehrheit in der internationalen Gemeinschaft unterstützt.

Blieben die USA bei ihrer bisherigen Haltung, so wäre "ein Tiefpunkt in unseren Jahrzehnte alten Beziehungen erreicht, der Friedensprozess und Amerikas Ansehen in der Arabischen Welt erlitten unheilbaren Schaden, der ideologische Abstand zwischen der islamischen Welt und dem Westen würde größer, und die Möglichkeiten für Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen beiden Lagern könnten verschwinden".

Der traditionellen Haltung führender amerikanischer Politiker, Israel als "unentbehrlichen Verbündeten" zu behandeln, stellte der Prinz die Perspektive entgegen, dass es in der Region andere Kräfte - "nicht zuletzt die arabische Straße" - gebe, die vielleicht noch wichtiger seien. "Die Geschichte wird jene widerlegen, die meinen, dass Palästinas Zukunft von den USA und Israel bestimmt wird." Einst hätten die Araber "nein" zum Frieden gesagt und 1967 die Antwort dafür erhalten. Jetzt seien die Israelis die Nein-Sager. Er wolle es nicht erleben, dass die Israelis ihre Antwort bekämen.

Aus Turkis programmatischer Rede auf dem Flieger-Stützpunkt hatten aktuelle Meldungen nur den einen Punkt herausgepickt, dass die Saudis gezwungen wären, ihrerseits die Atombombe zu bauen, falls die Iraner es täten. Auf diese Konsequenz hatte bereits im Jahre 2008 König Abdullah mit den Worten hingewiesen: "Jeder in der Region würde es den Iranern gleichtun, auch Saudi-Arabien." Mit technischer Hilfe der Pakistaner wären die Saudis, die den Bau von deren Atombombe zu schätzungsweise 50 Prozent finanziert haben, zu einem solchen Schritt wahrscheinlich relativ bald in der Lage.

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