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Corona:Menschliche Makel

Der Wunsch nach Freiheiten ist verständlich, aber egoistisch.

Von Kristiana Ludwig

In diesem Jahr der Pandemie hat sich das Leben verändert, mit Masken, Gästelisten und Bußgeldern; mit mehr Regeln und weniger Freiheit. Sich vor dem Coronavirus schützen zu müssen, ist zu einem Alltag geworden, dem viele Menschen auch mal entfliehen wollen. Die Folge sind Feiern, bei denen sich die Gäste wieder in die Arme nehmen, oder dicht gedrängte Kneipenabende unter falschem Namen. Der Wunsch nach einer anderen Realität, wenigstens für einen Abend, ist nur zu verständlich. Und doch ist er egoistisch.

Im Frühjahr jagten die hohen Infektionszahlen in den Nachbarländern den Deutschen einen so großen Schreck ein, dass sie freiwillig zu Hause blieben. Jetzt schauen viele auf den Staat: Sollen Zugbegleiter härter durchgreifen? Müssen Ordnungshüter in den Clubs und Kneipen öfter mal das Licht einschalten und alle Personalausweise kontrollieren? Ist von jetzt an jeder Fluggast verdächtig? Je weniger sich einzelne Menschen um die Gesundheitsregeln scheren, desto mehr Restriktionen müssen alle hinnehmen. Das ist ungerecht.

Dabei liegt es auf der Hand, dass Amtsärzte und Ordnungshüter Deutschland nicht allein vor einer neuen Welle von Todesfällen schützen können. Die Verantwortung dafür tragen alle. Daran hat sich nichts geändert.

© SZ vom 24.09.2020

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