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Corona:Giffey will neue Kita-Schließungen vermeiden

Die Familienministerin fordert kostenlose Tests für Erzieher. Bayerns Ministerpräsident Söder plädiert für schärfere Kontrollen von Reiserückkehrern.

Von Henrike Roßbach, Lisa Schnell, Berlin/München

Bundesfamilienministerin

Will die Kitas nicht erneut schließen müssen: Familienministerin Katharina Giffey (SPD).

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat zum Start des Kita-Jahres in vielen Bundesländern eine verlässliche Kinderbetreuung auch in Pandemiezeiten gefordert. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass das Gesamtsystem nicht mehr funktioniere, wenn die Kinderbetreuung nicht sichergestellt sei. Das Infektionsgeschehen und der Gesundheitsschutz müssten nach wie vor beachtet werden, sagte Giffey. Das große Ziel aber sei, "dass erneute flächendeckende Schließungen von Kitas und Kindertagespflege unbedingt verhindert werden".

Für die Kitas sind in Deutschland die Länder zuständig. Giffey stellte dennoch Leitlinien des Bundes für den nun wieder startenden Regelbetrieb vor. Neben Lüften, Händewaschen und Elternabenden mit Abstand gehört dazu auch, dass das Kita-Personal untereinander Abstand hält, keine großen Kita-Feste gefeiert werden und Erzieherinnen sich kostenlos auf das Virus testen lassen können, auch ohne Symptome. Zudem sollen die Kitagruppen untereinander möglichst wenig Kontakt haben und fiebernde Kinder zu Hause bleiben. Es solle aber "nicht jede Schnupfennase" automatisch dazu führen, dass ein Kind nicht in die Kita gehen könne, sagte Giffey. Kritisch äußerte sie sich zu Anordnungen von Gesundheitsämtern, Kinder mit Corona-Verdacht innerhalb der Familie zu isolieren, anderenfalls würden sie aus der Familie herausgenommen. "Das ist absolut kein gangbarer Weg", sagte Giffey.

Der Druck auf die Politik steigt derzeit auch deshalb, weil in immer mehr Bundesländern die Ferien enden und Reisende auch aus Risikogebieten zurück nach Deutschland kommen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte deshalb eine Ausweitung der Corona-Tests für Reiserückkehrer. "Auf Dauer werden nur zwei Tests helfen", sagte er am Montag in Nürnberg. Derzeit muss sich jeder, der aus einem Risikogebiet einreist, bei der Einreise oder kurz danach testen lassen. Söder möchte nun einen zweiten Test nach fünf Tagen, nur dann könne die gesamte Quarantänezeit wegfallen.

Er forderte auch, mehr Regionen als Risikogebiete einzustufen. Zudem sollten mehr Bundesländer Teststationen an den Grenzen einrichten. "Nur wir machen das in Bayern, sonst kein Bundesland", sagte Söder. Allerdings wurden die bayerischen Testzentren zuletzt auch scharf kritisiert, weil viele Reisende ihre Testergebnisse verspätet oder gar nicht bekamen. Söder versprach Besserung.

Mit Blick auf das Infektionsgeschehen in Kitas und die Frage, wie sehr Kinder das Virus verbreiten, verwies Ministerin Giffey am Montag auf eine bereits angelaufene Studie des Deutschen Jugendinstituts zusammen mit dem Robert-Koch-Institut. Von diesem Dienstag an können Betreuungseinrichtungen sich in ein neues Kita-Register eintragen und wöchentlich Daten zu ihrer Personal- und Betreuungslage melden, zu Hygienemaßnahmen und Covid-19-Fällen. Schon vorab hatten sich rund 5000 Einrichtungen angemeldet.

© SZ vom 11.08.2020

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