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Chávez-Wahl in Venezuela:Reich an Rohstoffen, arm an Gerechtigkeit

Die Gegend ist reich an Rohstoffen und war arm an Gerechtigkeit, die neoliberale Welle machte alles nur schlimmer. Venezuela verwandelte sich in eine Mischung aus Kuwait und Sudan. Boliviens Silbermine Potosí verkam von einem Synonym für Reichtum zum Symbol für Misere und Ausbeutung

Unter solchen Umständen gewannen Rebellen wie Chávez in Venezuela oder der indianische Gewerkschafter Evo Morales in Bolivien. Deshalb erlebte der Sozialismus in Lateinamerika lange nach dem Mauerfall eine wundersame Wiederauferstehung. Deshalb wird dort der Guerillero Che Guevara auch an seinem 45. Todestag am 9. Oktober 2012 noch verehrt.

Ein demokratisches Vorbild ist der Comandante Chávez trotzdem nicht, eher der Prototyp des demokratischen Caudillo - charismatisch, missionarisch, populistisch. Venezuelas Wahlen waren frei, aber nicht fair. Der Präsident setzte für seinen Wahlkampf den gesamten Staatsapparat ein.

Seine Regierung hat die private Übermacht zugunsten des Staates gebrochen, ähnlich läuft es in Bolivien, Ecuador, Nicaragua und selbst im Argentinien der Cristina Fernández de Kirchner. Chávez ließ sich die Wiederwahl durch eine Verfassungsänderung ermöglichen, andere liebäugeln damit. Sie krallen sich fest an der Macht - eine ungesunde Mode.

Der Ölpreis stieg, die Gewalt wucherte

Außerdem hat Chávez zwar viel Geld verteilt, unter ihm wurde die Armut endlich ein Staatsthema. Venezuelas Einkommensverteilung ist inzwischen weniger ungleich als die von Chile, das orthodoxe Ökonomen so loben. Doch Chávez floss auch mehr Geld in die Kassen als seinen Vorgängern, der Ölpreis hat sich in seiner Ära fast verzehnfacht.

Mit Einkünften von nahezu einer Billion Dollar hätte er ein sinnvolleres Fundament für Fortschritt und Erziehung legen können. Stattdessen wuchert die Gewalt. Chávez predigt Unabhängigkeit - und hat seine Heimat vom Öl so abhängig gemacht wie nie.

Sein Sieg darf Lateinamerika eine Lehre sein. Bislang hat es vor allem Brasilien geschafft, Wachstum, Popularität und Demokratie in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Unter dem Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva stiegen Millionen Brasilianer in die Mittelschicht auf. 2011 hörte der Demokrat Lula trotz seiner Beliebtheit auf.

In Venezuela haben Chávez' Gegner nach einem sinnlosen Putschversuch, nach Streik und Boykott erkannt, dass Wahlen die einzige Chance sind, dem Patriarchen nahezukommen. Aber noch hat Hugo Chávez die Mehrheit.