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Bundeswehr:Schweinekram bei der Elitetruppe

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Nazi-Vorwürfen gegen das KSK. Auch sein Vize-Chef muss wohl gehen - wegen einer anderen Affäre.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Nazi-Vorwürfen gegen die Elitetruppe KSK der Bundeswehr übernommen. Es sei ein Verfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet worden, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Bei der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des geheim operierenden Kommandos Spezialkräfte soll es Recherchen der ARD zufolge im April zu bizarren Spielen wie Schweinskopf-Werfen gekommen sein, bei denen auch rechtsextremistische Musik gehört und möglicherweise der Hitlergruß gezeigt worden sein soll. Der Vorfall soll sich auf dem Gelände eines Schießstandes bei Sindelfingen nahe Stuttgart abgespielt haben. Es werde gegen unbekannt ermittelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter.

Den Vorfall mit dem Schweinekopf bestätigte die Bundeswehr, ebenso wie die Aufnahme von Ermittlungen zu dem Vorgang. Die angeblichen rechtsradikalen Vorgänge hätten sich bislang hingegen nicht bestätigt, sagte ein Sprecher des Heeres am Donnerstag. Sollten sich diese bestätigen "dann muss man auch mit der notwendigen Entschiedenheit und Härte vorgehen", forderte der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner am Freitag im Südwestrundfunk. Er kritisierte zudem die Informationspolitik von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). "Ich finde das, ehrlich gesagt, ziemlich dünn und ziemlich sonderbar, dass das Parlament so etwas aus den Medien erfahren muss", sagte Lindner.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), forderte als Reaktion auf die Vorwürfe mehr Kapazitäten für Erziehung und für Dienstaufsicht in der Bundeswehr. "Wir brauchen in bestimmten Truppenteilen, gerade bei den Kampftruppen, mehr Zeit für Menschenführung", sagte Bartels der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Freitag. Dann könnten die Vorgesetzten "die Soldaten auch besser historisch und politisch bilden und gegen falsche Nazi-Vorbilder immunisieren", sagte der SPD-Politiker. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Debatten über den Umgang der Bundeswehr mit der Wehrmachtstradition gegeben.

Vorwürfe gibt es auch gegen die Führung des KSK. Nach Informationen des Spiegel hat die Bundeswehr beschlossen, den stellvertretenden Kommandeur der Einheit abzusetzen. Hintergrund sei die Beschwerde einer zivilen KSK-Mitarbeiterin gegen den Oberst wegen verbaler Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindlicher Sprüche. Die Bundeswehr betonte, dass der Fall nichts mit den Vorwürfen wegen der entgleisten Abschiedsfeier zu tun habe.

© SZ vom 19.08.2017 / dpa, SZ
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