Bundeswehr Ganz wie bei der "Gorch Fock"

Das Marine-Flugzeug vom Typ P-3C Orion auf einem Archivbild

(Foto: dpa)

Der Marine läuft die Modernisierung ihrer alten "Orion"-Aufklärungsflugzeuge aus dem Ruder.

Von Mike Szymanski, Berlin

Das Segelschulschiff Gorch Fock ist nicht der einzige Fall, in dem die Bundeswehr offenbar Schwierigkeiten hat loszulassen. Dies gilt offenbar auch für die Marine-Flugzeuge vom Typ P-3C Orion, auch "Fliegendes Auge" genannt. Es handelt sich um Seeaufklärer, konzipiert für die U-Boot-Jagd. Aus Sicht der Rechnungsprüfer sind sie nur ein weiteres Beispiel für eine "traurige Modernisierungsgeschichte".

Die Parallelen zur Gorch Fock liegen auf der Hand. Auch im Orion-Fall scheint es einen unbedingten Willen zum Weiterbetrieb zu geben. Die Kosten laufen aus dem Ruder, die Planer haben mit Rückschlägen zu kämpfen. Am eklatantesten ist dieser Befund: Die Marine hat schon Schwierigkeiten, überhaupt nur zwei der insgesamt acht Flugzeuge in der Luft zu halten. In seinen am Mittwoch veröffentlichten "Bemerkungen 2018" hält der Rechnungshof dem Ministerium diesen Fall schonungslos vor.

Die Bundeswehr hat die Maschinen zur Seeaufklärung 2004 von der niederländischen Marine gekauft. Sie waren scheinbar ein Schnäppchen, acht Flieger für 388 Millionen Euro. Die Gebrauchtflieger waren aber bereits 20 Jahre alt und "in einem schlechten Zustand", wie der Rechnungshof anmerkte. Kauf und Betrieb kosteten die Bundeswehr bis Ende 2014 mehr als eine Milliarde Euro. Für die Modernisierung hat sie 2015 noch einmal 500 Millionen Euro lockergemacht. Sie will die Flugzeuge, die eigentlich 2025 ausgemustert werden sollten, nun bis 2035 weiterfliegen. Die Tragflächen sollten wegen Rosts und Materialermüdung ausgetauscht werden. Das veraltete Instrumentenflugsystem musste an neue Vorgaben angepasst werden. Rechner und Software sollten erneuert werden.

Auch bei diesen Flugzeugen hat die Bundeswehr am Anfang nicht so genau hingeschaut. Sie habe, so bemängeln die Prüfer, nicht festgelegt, unter welchen Umständen sie die Sanierung abbricht. Der Austausch der Tragflächen dauerte beim ersten Flugzeug, das als Blaupause für die Arbeiten dient, schon länger, weil die Bundeswehr den Aufwand unterschätzt hat. Und das neue Material neigt offenbar zu "spontaner Rissbildung". Manche Arbeiten verzögerten sich um drei Jahre, neu eingebaute Systeme passten offenbar nicht zusammen, moniert der Rechnungshof. Die Wunschliste, was an den alten Fliegern noch zu machen sei, wurde länger, neue Radarsysteme wurden bestellt. Mittlerweile sind die Kosten um 340 Millionen Euro gestiegen - und dabei dürfte es nicht bleiben. Es werde "kaum gelingen, alle Flugzeuge bis Ende 2025" flottzumachen, urteilen die Rechnungsprüfer. Anders als bei der Gorch Fock braucht die Bundeswehr aber die Orion-Flieger, um ihren Nato-Verpflichtungen nachzukommen.

Zur Gorch Fock hat sich der Rechnungshof auch geäußert. Er empfiehlt den Bundestagsabgeordneten, ein externes Gutachten zu beauftragen, um zu klären, ob die Arbeiten am Schiff ordentlich erledigt wurden.