Bundesverdienstkreuz:Ohne Orden

Der Jurist Thomas Walther brachte den Demjanjuk-Prozess ins Rollen, doch für die bayerische Staatskanzlei ist das kein Grund für eine Auszeichnung.

Von Peter Burghardt

Wer verdient das Bundesverdienstkreuz? Es gehe um "hervorragende Leistungen für unser Gemeinwesen", erläutert das Bundespräsidialamt - Vorschläge sind im jeweiligen Bundesland einzureichen. Allein 2013 wurde die Auszeichnung 1770-mal vergeben. Zu früheren Trägern gehören außer vielen ehrenwerten Persönlichkeiten auch Tito, Ceaușescu und ein ehemaliger argentinischer Folterknecht. Sehr zu Recht wurde dagegen 1999 der Regisseur Michael Verhoeven bedacht, von ihm stammt unter anderem der Film "Die weiße Rose" über die von den Nazis ermordete Studentengruppe. Da hatte Verhoeven 2013 eine vernünftige Idee: Er schlug bei der bayerischen Staatskanzlei den NS-Opferanwalt Thomas Walther für den Verdienstorden vor. Der im Allgäu lebende Jurist hatte maßgeblich zum Prozess gegen John Demjanjuk beigetragen und vertritt nun Auschwitz-Überlebende im Lüneburger Verfahren gegen den einstigen SS-Mann Oskar Gröning. Die Begründung der Ablehnung von Oktober 2014 ist vertraulich, nicht aber die Antwort der Staatskanzlei, die der SZ vorliegt: Man müsse "leider mitteilen, dass die sorgfältige Prüfung Ihrer Anregung durch die zuständigen Behörden nicht zu dem von Ihnen gewünschten Ergebnis geführt hat", schreibt da ein Ministerialdirigent. Thomas Walther, der von Deutschlands Justiz jahrzehntelang verschleppte Naziverbrechen verfolgt, ist Bayern keinen Orden wert.

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