Bundestag: Konflikt um PID Das ethische Dilemma zulassen

Der Bundestag wird keine ethisch unproblematische Lösung finden können, die Abgeordneten werden nicht unschuldig aus der Abstimmung hervorgehen. Doch sie müssen die Präimplantationsdiagnostik zulassen. Die PID-Befürworter vertreten den menschlichsten Ansatz - sie haben die Not der Eltern im Blick.

Ein Kommentar von Nina von Hardenberg

Wer Gott ins Handwerk pfuscht, lädt Schuld auf sich, hat Wolfgang Huber, der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, einmal gesagt. Es mag zwar im Einzelfall gute Gründe geben, in den Prozess des Lebens und Sterbens einzugreifen. Die Last dieser Entscheidung kann den Menschen aber niemand abnehmen. Das gilt auch für die Bundestagsdebatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID), die am Donnerstag mit großem Ernst geführt wurde: Es gibt gute Gründe, Paaren mit Erbkrankheiten zu erlauben, ihren Nachwuchs bei der künstlichen Befruchtung zu testen und kranke Embryonen auszusortieren; damit kann späteres Leid verhindert werden. Der Bundestag wird gleichwohl keine ethisch unproblematische Lösung finden können. Die Abgeordneten werden nicht unschuldig aus der Abstimmung hervorgehen.

In der Universitätsfrauenklinik in Leipzig betrachtet die Laboringenieurin Regina Blumrich die Abbildungen von Eizellen mit Spermien nach einer künstlichen Befruchtung. Die PID zuzulassen, heißt ein ethisches Dilemma zuzulassen.

(Foto: dpa)

Trotzdem müssen sie, um der betroffenen Paare willen, die Tests zulassen.

Das wichtigste Argument für die PID sind eben diese betroffenen Paare selbst. Wer sich je ein Kind gewünscht hat, kann das Leid von Menschen nachempfinden, die diesen Wunsch seit Jahren hegen und mehrere Fehlgeburten erleben mussten oder die sich nach dem Tod eines schwerkranken Kindes ein gesundes wünschen. Viele Ehen zerbrechen an der Herausforderung, die ein krankes Kind bedeutet. Und auch eine ungewollte Kinderlosigkeit kann Menschen in eine existentielle Krise stürzen, vergleichbar mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Es ist zynisch, diesen Eltern Perfektionswahn vorzuwerfen. Sie wollen kein blondes oder blauäugiges Kind, sondern eines, das sie aufwachsen sehen dürfen.

So gesehen vertreten die PID-Befürworter um Staatssekretär Peter Hintze den menschlichsten Ansatz. Sie haben die Not der Eltern im Blick und wollen verhindern, dass Frauen Schwangerschaften eingehen, die in eine Abtreibung münden. Die ethische Klippe des Gesetzes ist, dass es dafür eine Werteverschiebung in Kauf nimmt, die aus Sicht der Kritiker geradewegs in eine unmenschliche Gesellschaft führt. Der Entwurf legitimiert die Selektion von Leben. Eltern dürften sich einen Embryo aussuchen und einen anderen, kranken verwerfen. Kinder, die mit der PID gezeugt werden, entstehen nicht mehr um ihrer selbst willen, argumentiert etwa Ex-Ministerin Ulla Schmidt - und sie hat recht. Die Angst vor der Selektion ist ein starkes Argument gegen die Tests. Doch es ist auch ein theoretisches.